Neues Ziel nach dem EM-Aus - Umbau für die WM-Mission: Mit wem Nagelsmann die Zukunft plant

Auf dem Weg zur WM in den USA könnten Brajan Gruda und Aleksandar Pavlovic zwei neue DFB-Spieler werden<span class="copyright">Imago</span>
Auf dem Weg zur WM in den USA könnten Brajan Gruda und Aleksandar Pavlovic zwei neue DFB-Spieler werdenImago

Auch wenn der Schmerz über das Ausscheiden am Freitag noch nicht vollends verflogen ist, gilt es nun den Blick nach vorn zu richten. Denn die deutsche Nationalmannschaft möchte anknüpfend an die EM auch bei den nächsten großen Turnieren unter den Besten mitmischen.

Julian Nagelsmann äußerte sich recht forsch auf der Pressekonferenz nach der 1:2-Niederlage gegen Spanien . Natürlich will er mit Deutschland in zwei Jahren Weltmeister werden. Anschließend versuchte der Bundestrainer die Aussage zwar etwas einzufangen, aber die Marschroute ist klar.

Doch zunächst gilt der Blick auf den Start der Nations League in rund zwei Monaten. Und für die WM in Nordamerika muss sich die DFB-Auswahl ja auch erst einmal qualifizieren. Aber nach einem erfrischenden Auftritt bei dieser EM ist Nagelsmann sicher der Letzte, der auf die Euphoriebremse tritt.

Kroos hört auf - Zukunft von vier weiteren DFB-Spielern ungewiss

Im Vergleich aller teilnehmenden Nationalteams bei dieser EM hatte Deutschland mit einem Durchschnitt von 28,6 Jahren den ältesten Kader. Schon jetzt ist klar, dass das DFB-Team in den kommenden Monaten eine Veränderung durchleben wird – nicht zuletzt aufgrund des Rücktritts von Toni Kroos .

Auch die Zukunft von Manuel Neuer, Thomas Müller, Pascal Groß und Ilkay Gündogan mit Blick auf die WM 2026 scheint ungewiss. Neuer und Müller haben bei den Bayern momentan nur Verträge bis zum Sommer 2025.

Gruda gilt als besonderes Talent

Für Nagelsmann geht es darum, das Team mehr denn je um Jamal Musiala und Florian Wirtz sowie Kai Havertz aufzubauen. Die drei bilden das offensive Prunkstück, Havertz zählt bei aller Kritik für den Augenblick zum Offensivkern dazu. Vielleicht liegt seine Zukunft aber mehr auf der Zehnerposition und damit als Ersatz für Gündogan.

Ein Talent mit großer Perspektive ist sicherlich der junge Mainzer Brajan Gruda. Der 20-Jährige fühlt sich rechts vorne am wohlsten, ist enorm dribbelstark, kreativ und wendig. Gruda wurde von Nagelsmann bereits vor der EM ins Trainingscamp eingeladen, schnell kamen Gerüchte über eine Kader-Nominierung auf, dann aber musste der Linksfüßer verletzt abreisen.

Mainz würde das begehrte Talent liebend gerne noch ein Jahr halten, wahrscheinlicher ist aber, dass er Gruda noch diesen Sommer für viel Geld wechselt - vielleicht nach Leverkusen?

Pavlović gehört im Zentrum die Zukunft

Eine viel schwerere Aufgabe wird die Nachfolge von Kroos. Auch wenn der 34-Jährige defensiv gerade gegen Spanien nicht überzeugen konnte, sind seine Spielmacherqualitäten fast nicht zu ersetzen. Andere Sechser wie Robert Andrich, Emre Can und auch Groß sind keine vergleichbaren Ballverteiler.

Selbst der kurz vor der EM noch wegen Krankheit ausgefallene Aleksandar Pavlović vom FC Bayern ist kein konstanter Impulsgeber übers eigene Passspiel. Trotzdem sollte Pavlović fortan von Nagelsmann als zweiter Sechser neben Andrich – oder einem ähnlich gearteten Spielertypen – aufgebaut werden.

Stiller und Beier drängen sich auf

Mit Blick nach vorn könnte zudem Angelo Stiller vom VfB Stuttgart nach und nach eine Rolle spielen. Dass er in der kommenden Saison Erfahrung in der Champions League sammeln wird, sollte dem 23-Jährigen enorm helfen.

Ein weiterer Kandidat fürs Mittelfeld bleibt der ewig umstrittene Julian Brandt von Borussia Dortmund. Obwohl Brandt schon lange auf den großen Bühnen mitspielt, ist er erst 28 Jahre alt. Und in puncto Kreativität kann ihm nach dem Rücktritt von Kroos wohl keiner das Wasser reichen. Nur seine physische Präsenz unterliegt gewissen Schwankungen. Trotzdem sollte Brandt nochmal eine Chance im DFB-Trikot erhalten.

Mögliche DFB-Aufstellung mit Blick in Richtung WM 2026<span class="copyright">Constantin Eckner</span>
Mögliche DFB-Aufstellung mit Blick in Richtung WM 2026Constantin Eckner

Auf der Stürmerposition muss Nagelsmann auf Zeit spielen. Maximilian Beier hat Potenzial, aber wirkt aktuell eher mehr wie ein Außenbahnangreifer, weniger wie ein Neuner. Niclas Füllkrug wäre bei der WM 2026 immerhin 33 Jahre alt, wobei der BVB-Stürmer selbst gerne betont, dass er mit zunehmendem Alter besser wird, weil er ohnehin nie der Explosivste war.

Interessante Namen sind auch Topp und Tresoldi

Und Deniz Undav sollte sich weiterhin in Diensten des VfB Stuttgart beweisen, denn bei der EM erhielt keine wirkliche Chance dazu. Perspektivisch könnten sich neue Talente in den kommenden Jahren anbieten.

Zu nennen ist etwa Keke Topp, der gerade von Schalke 04 zu Werder Bremen gewechselt ist. Oder vielleicht spielt sich auch ein aufstrebender Jungstürmer wie Nicolò Tresoldi von Hannover 96 zunehmend ins Rampenlicht.

Aber ob es für einen von ihnen bereits für die WM 2026 reicht, bleibt fraglich. Nagelsmann hat ohnehin erst einmal die zentrale Aufgabe, mit nun etablierten Nationalspielern sowie einigen Perspektivspielern weiterzuarbeiten. Den Rest kann ein Bundestrainer wenig bis gar nicht beeinflussen.