Neun weitere Demokratie-Aktivisten in Hongkong festgenommen

Einen Tag nach der Festnahme zweier führender Unabhängigkeitsaktivisten in Hongkong haben die Behörden in der chinesischen Sonderverwaltungszone vorübergehend neun weitere Aktivisten festgenommen. Sie seien am Donnerstag wegen ihrer Teilnahme an einer chinakritischen Kundgebung im November in Gewahrsam genommen worden, teilten Aktivistengruppen mit. Nach einigen Stunden wurden die Aktivisten gegen die Zahlung einer Kaution freigelassen. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zu den Festnahmen.

Zwei der am Donnerstag festgenommenen Aktivisten gehören der neuen prodemokratischen Partei Demosisto an, die aus der Studentenbewegung hervorging. Andere sind Mitglieder der Partei Liga der Sozialdemokraten (LSD), andere gehören oder gehörten der Studentenbewegung an. Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) verließen die Aktivisten die Polizeiwache im Westen von Hongkong wieder. Sie sagten, sie seien formell beschuldigt worden und anschließend gegen eine Kaution freigekommen.

Der LSD-Vorsitzende Avery Ng, dem Unruhestiftung vorgeworfen wird, sagte, die Bewegung lasse sich nicht einschüchtern. "Wir werden weiterhin unsere Stimme erheben und der Kommunistischen Partei und der Regierung von Hongkong unsere Unzufriedenheit und unseren Ärger mitteilen, vor allem, wenn sie uns unserer Grundrechte berauben", sagte er.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte, die "immer wieder vorgebrachten vagen Anschuldigungen gegen prominente Persönlichkeiten in Hongkongs Demokratiebewegung" deuteten auf eine gezielte Maßnahme der Behörden hin, den Einsatz für Demokratie in Hongkong zu bestrafen.

Erst am Mittwoch waren die beiden China-Kritiker Baggio Leung und Yau Wai Ching festgenommen worden. Ihnen wird nach Angaben ihrer Partei Youngspiration vorgeworfen, an "illegalen Versammlungen" teilgenommen zu haben.

Und im vergangenen Monat waren neun Demokratieaktivisten, darunter Studenten und Abgeordnete des Parlaments, wegen ihrer Beteiligung an den sogenannten Regenschirm-Protesten im Jahr 2014 angeklagt worden. Bei den Protesten hatten zeitweise zehntausende Menschen mehr Demokratie und freie Wahlen in Hongkong gefordert.

Die damalige britische Kronkolonie Hongkong war 1997 an China zurückgegeben worden - gemäß der Formel "ein Land, zwei Systeme". Die Volksrepublik sagte Hongkong für 50 Jahre eine weitreichende innere Autonomie zu. Die Opposition wirft Peking jedoch vor, sich zunehmend in die Angelegenheiten Hongkongs einzumischen und damit die Autonomievereinbarungen zu verletzen.

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