Neuvertragsmieten steigen langsamer

Der teils drastische Anstieg der Mieten in zahlreichen Städten könnte nach Expertenmeinung vorbei sein: Die Neuvertragsmieten stiegen 2019 im Durchschnitt zwar weiterhin an - mit 3,5 Prozent aber weniger stark als im Vorjahr mit 3,8 Prozent, wie der Rat der Immobilienweisen am Dienstag mitteilte. Grund sind demnach das schwächere Bevölkerungswachstum und der gestiegene Wohnungsbau vor allem in den sieben größten Städten.

Auch im laufenden Jahr dürfte das Angebot in allen diesen Städten - Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Stuttgart - stärker wachsen als die Nachfrage, heißt es im Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen. Vor allem in Berlin und Hamburg, aber auch in den anderen Städten ließen sich "Bremsspuren in der Mietentwicklung beobachten". Insgesamt sei damit zu rechnen, dass sich die Anspannung auf den Wohnungsmärkten dieser Städte nicht weiter verschärft. "Vielleicht könnten die Märkte sich sogar leicht entspannen."

Im vergangenen Jahr stiegen die Angebotsmieten für Wohnungen von 60 bis 80 Quadratmetern mit guter Ausstattung aller Baujahre demnach um 3,5 Prozent auf im Schnitt 8,13 Euro pro Quadratmeter. Seit 2010 hatte sich Wohnen "teils stürmisch" verteuert, in den sieben größten Städten kletterten die Angebotsmieten in dem Zeitraum von 2010 bis 2019 um 19 bis 60 Prozent.

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen dagegen steigen weiter deutlich. Die Wachstumsrate liege mit 9,7 Prozent weiterhin deutlich über der Wachstumsrate bei Neuvertragsmieten, heißt es im Gutachten. In den Städten betrug der Anstieg demnach rund zehn Prozent. Grund für die Entwicklung seien die niedrigen Zinsen.

Erstellt wurde das Gutachten vom Zentrale Immobilien Ausschuss, dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft in Deutschland. Präsident Andreas Mattner warnte am Dienstag, die "vagen positiven Anzeichen" sollten nicht überbewertet werden. Vor allem aber dürften sie nicht durch "Markteingriffe und Regulierungen konterkariert werden". Der Weg hin zu mehr bezahlbarem Bauen und Wohnen sei lang.

Mattner schlug einen "Baufrieden" vor, ein Moratorium für jede staatliche Tätigkeit, die Bauen teurer mache oder Einnahmen für weitere Investitionen reduziere. Dabei dürfe der Fokus nicht allein auf den Bereich Wohnen gelegt werden: Auch bei Bürogebäuden, Hotels und im Logistikbereich übersteige die Nachfrage das Angebot.