Lebenslänglich für Angeklagte in Prozess um MH17-Absturz gefordert

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Verhandlung im MH17-Prozess (AFP/Sem van der Wal)

Mehr als sieben Jahre nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 über der Ostukraine hat die niederländische Staatsanwaltschaft lebenslange Haft gegen vier Verdächtige gefordert. Die Anklage bekräftigte am Mittwoch vor Gericht, dass die drei Russen und ein Ukrainer für den Abschuss mit 298 Toten im Juli 2014 verantwortlich seien. Sie sollen die Boden-Luft-Rakete vom Typ BUK in die Ostukraine gebracht haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag mit den Schlussplädoyers des Prozesses begonnen. Bei den Verdächtigen Igor Girkin, Sergej Dubinski, Oleg Pulatow und Leonid Chartschenko soll es sich demnach um hochrangige Vertreter der pro-russischen Rebellen in der Ostukraine handeln. Sie sollen die Rakete beschafft haben, um ukrainische Kampfflugzeuge abzuschießen.

Die Verdächtigen hätten die BUK-Rakete eingesetzt, um ihre "eigenen militärischen Interessen" zu verfolgen. Ihnen sei bewusst gewesen, dass täglich viele zivile Flugzeuge über das Kampfgebiet fliegen.

"Wir fordern, dass die Verdächtigen Girkin, Dubinski, Pulatow und Chartschenko wegen ihrer Verantwortung für den Absturz eines Flugzeugs, der zum Tod und zur Ermordung von 298 Menschen führte, zu lebenslanger Haft verurteilt werden", sagte die Staatsanwältin Manon Ridderbeks am Mittwoch. Das Verfahren fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in der Nähe des Flughafens Amsterdam Schiphol statt, von wo aus die MH17 der Malaysia Airlines damals in Richtung Kuala Lumpur gestartet war.

Die Angehörigen der Opfer begrüßten die geforderten Strafen. "Das ist das, worauf wir gehofft haben", sagte der 71-jährige Piet Ploeg, Vorsitzender der Opfervereinigung. Ploeg verlor seinen Bruder, seine Schwägerin und seinen Neffen bei dem Absturz.

Die Angeklagten halten sich nicht in den Niederlanden auf und weigern sich, dort vor Gericht zu erscheinen. Der Prozess wird ihnen daher in Abwesenheit gemacht. Das Plädoyer der Verteidigung soll im März erfolgen. Ein Urteil wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2022 erwartet.

Die ukrainische Armee bekämpft seit 2014, als Moskau die Halbinsel Krim annektierte, pro-russische Milizen im Osten des eigenen Landes. Der bekannteste der Verdächtigen, der 49-jährige Girkin, Spitzname "Strelkow" ("Schütze"), war zu Beginn des Ostukraine-Konflikts einer der wichtigsten Kommandanten der pro-russischen Separatisten. Der 57-jährige Dubinski soll Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst haben, der vier Jahre jüngere Pulatow ist ein ehemaliger Angehöriger der russischen Spezialeinheiten und wird als einziger von Anwälten vor Gericht vertreten. Der 48-jährige Chartschenko soll eine Separatisteneinheit in der Ostukraine angeführt haben.

Girkin äußerte sich nach dem Plädoyer gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax: Er sei "überhaupt nicht überrascht" von den geforderten Strafen und beharrte darauf, dass nicht die Separatisten das Flugzeug abgeschossen hätten. "Wenn sie mich zum Tode hätten verurteilen können, hätten sie es getan", fügte er hinzu. Pulatows Anwälte forderten einen Freispruch und erklärten gegenüber niederländischen Medien, dass die vorgelegten Beweise "unvollständig" seien.

Der Prozess findet vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Russland und dem Westen wegen der Ukraine statt. Westliche Staaten werfen Moskau vor, an der Grenze zur Ukraine eine Militäroffensive vorzubereiten. Der Kreml streitet das ab.

mkü/cp

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