Niederlandes meistgesuchter Verbrecher von Dubai ausgeliefert

Das Emirat Dubai hat den meistgesuchten mutmaßlichen Verbrecher der Niederlande ausgeliefert. Der in Marokko geborene Ridouan Taghi sei in der Nacht zum Donnerstag aus Dubai in die Niederlande geflogen worden, teilte die niederländische Staatsanwaltschaft mit. Der 41-Jährige ist der Hauptverdächtige in einem Gerichtsverfahren in den Niederlanden zu den Verbrechen der sogenannten Mocro-Mafia, darunter mehrere Morde und versuchte Morde.

In Dubai hatte Taghi den Angaben zufolge seit Jahren in einer Luxusvilla gelebt, bevor er am Montag dort festgenommen wurde. Aus Sicherheitsgründen sei er in einem gecharterten Flugzeug von niederländischen Polizisten bewacht ausgeflogen worden, hieß es weiter. Niederländischen Medien zufolge sitzt er jetzt im Hochsicherheitsgefängnis Vught.

Taghis Anwältin Inez Weski warf die Frage auf, wie die Auslieferung ihres Mandanten so schnell erfolgen konnte, und beschuldigte die niederländischen Behörden, den 41-Jährigen "entführt" zu haben. "Das widerspricht allen internationalen Rechtsregeln", erklärte Weski mit Blick über die schnelle Überstellung an die Niederlande. "Es scheint so, dass das ungesetzlich erfolgt ist."

Der niederländische Justizminister Ferd Grapperhaus erklärte hingegen, Taghis Auslieferung sei "in voller Übereinstimmung mit rechtsstaatlichen Regeln" erfolgt. Das Schnellverfahren sei möglich gewesen, weil Taghi illegal nach Dubai eingereist sei. Laut niederländischer Polizei war Taghi 2016 mit einem auf einen anderen Namen ausgestellten Pass in das Emirat eingereist. Seitdem habe er zurückgezogen in der Villa gelebt.

Taghi ist der Hauptverdächtige in einem bereits laufenden Prozess zu organisiertem Verbrechen in den Niederlanden, in dem es unter anderem um fünf Morde und mehrere versuchte Morde geht. Am 27. Februar soll das Verfahren fortgesetzt werden. Es war im September international in die Schlagzeilen geraten, als der Anwalt eines Zeugen der Anklage in der Nähe seines Hauses in Amsterdam erschossen wurde.

Taghi wird überdies in Marokko gesucht, weil er hinter einer Schießerei 2017 in einem Café stecken soll.