Israel: Niere eines getöteten Juden rettet arabische Mutter

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Die Eskalation des Nahost-Konfliktes birgt viele Tragödien. Aus einer wurde im Nachhinein ein lebensrettendes Geschenk, das man als Symbol für die Hoffnung auf Frieden deuten könnte.

Randa Aweis im Krankenhaus mit ihrer Tochter Nevine (Bild: AP Photo/Maya Alleruzzo)
Randa Aweis im Krankenhaus mit ihrer Tochter Nevine (Bild: AP Photo/Maya Alleruzzo)

In der Stadt Lod etwa 20 Kilometer östlich von Tel Aviv kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Ausschreitungen und Auseinandersetzungen zwischen arabischen und jüdischen Israelis. Während der elftägige Gaza-Krieg mehr als 230 Opfer, hauptsächlich auf palästinensischer Seite forderte, erhöhte er auch die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppierungen innerhalb Israels. In vielen Städten kam es zu regelrechten Straßenkämpfen. Bei solch einer Auseinandersetzung in Lod wurde der 56-jährige jüdische Israeli Yigal Yehoshua von Steinwürfen getroffen und starb an den Folgen seiner Verletzungen.

Doch nun wurde sein Tod wurde zur Lebensrettung einer arabischen Frau. Die 58-jährige Randa Aweis hatte bereits seit zehn Jahren auf eine neue Niere gewartet. Dann erhielt die sechsfache Mutter nach Yehoshuas Tod die Nachricht, dass der Verstorbene ein Match für sie war. Da er als Organspender registriert war, konnte Aweis die Niere des 56-Jährigen bekommen. 

"Es muss Frieden geben"

Der Nachrichtenagentur AP sagte sie nach der geglückten Operation im Hadassah Medical Center in Jerusalem, sie habe es zunächst gar nicht glauben können. "Sie haben mich gerettet. Die Menschen sagen, dass er ein guter Mann gewesen ist und niemandem etwas antun wollte. Warum wurde er ermordet? Das ist verboten." Aweis wünschte sich nach der lebensrettenden OP nur noch eines: "Es muss Frieden zwischen Arabern und Juden geben, echten Frieden."

Familienangehörige und Freunde bestatten Yigal Yehoshua, dessen Organe nun anderen das Leben retteten. (Bild: REUTERS/Ronen Zvulun)
Familienangehörige und Freunde bestatten Yigal Yehoshua, dessen Organe nun anderen das Leben retteten. (Bild: REUTERS/Ronen Zvulun)

Doch von Premier Benjamin Netanjahu kommen trotz des aktuell anhaltenden Waffenstillstandes weiterhin eher kriegerische Töne. So drohte er nach dem Tod Yehoshuas, man werde "die Rechnung begleichen mit denjenigen, die an diesem Mord beteiligt waren." Niemand könne der Bestrafung entkommen. Die in den gewalttätigen Auseinandersetzungen zu Tage tretenden Spannungen hängen auch mit der immer noch immensen Diskriminierung zusammen, der viele arabische Israelis im Alltag ausgesetzt sind.

Randa Aweis ist ihrem Lebensretter nie begegnet, doch laut AP kontaktierte sie seine Witwe, um sich zu bedanken und hat fest vor, die Familie zu besuchen, sobald sie sich von der Operation erholt hat. "Ygal hat mich gerettet und egal, wie oft ich mich bei der Familie bedanke, wird es nicht genug sein", sagte die dankbare Aweis. 

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