#Nobodysdoll: Vergesst den unsichtbaren Dritten

Anne Borchardt
Managing Editor Yahoo Style & Entertainment

Kampfansage gegen das einseitige Look-Diktat auf dem roten Teppich. Zusammen mit anderen Frauen und Männern hat die Schauspielerin Anna Brüggemann (“Drei Zimmer/Küche/Bad”) die Initiative „Nobody’s Doll“ ins Leben gerufen, die Mut bei der Outfitwahl für den Auftritt auf dem Berlinale-Teppich machen soll.

Lena Meyer-Landrut im Blitzlichgewitter auf dem Berlinale-Teppich. (Bild: Getty Images)

Die Berlinale ist schon längst mehr als eine Woche des internationalen Films. Bilder von den schönsten und aufregendsten Roben der Filmstars und Premierengäste sind oft spannender als die Wettbewerbsfilme selbst, drängen sie sogar in der Berichterstattung in den Hintergrund. Doch welche Message senden diese Bilder? Welche Wirkung haben sie in einer Zeit des Protestes, einer Zeit von #MeToo und #Timesup?

Schauspielerin Anna Brüggemann gründete im November zusammen mit Kollegen und Kolleginnen eine Initiative mit dem Namen „Nobody’s Doll“. Darin möchte sie andere ermutigen, mit dem Zwang der Outfitwahl für den Gang im Blitzlichtgewitter zu brechen. Das Frauen- und Männerbild auf dem roten Teppich muss ihrer Meinung nach modernisiert werden und im Jahr 2018 ankommen.

Modische Vielfalt auf dem roten Teppich

„Wir Frauen tun nach wie vor Dinge, die unbequem für uns sind, unpraktisch, Dinge, von denen wir glauben, dass wir sie machen müssen, um dem unsichtbaren Dritten zu gefallen. Dieser unsichtbare Dritte ist nach wie vor ein Mann“, so Anna Brüggemann in ihrem Post auf Facebook. Doch nun stellt sich die Frage, ist es wirklich der unsichtbare Dritte oder doch eigentlich man selbst?

Anna Brüggemann (l.) mit ihrem Bruder Dietrich, Lavinia Wilson und Sina Tkotsch bei der diesjährigen Berlinale. (Bild: Getty Images)

In ihrem Posting beschreibt sie die Reaktionen auf ihre Aktion von Menschen in ihrem Umfeld: „Die Frauen, denen ich im Vorfeld von meinem Vorhaben erzählt habe, atmeten erleichtert auf und sagten: ‚Das wird auch längst Zeit. ‘ Bei Männern war die Reaktion unterschiedlich. Manche, wie mein Bruder Dietrich oder die Lass Brüder, verstanden natürlich sofort, worum es geht. Andere, ebenfalls Regisseure, verstanden das Bedürfnis nach einem eindeutigen Zeichen nicht: ‚Zieh’ dich doch einfach anders an.‘ Natürlich, kein Problem. Dann bin ich eben die lustige Anna, die immer ein bisschen anders rumläuft. Dann ist das mein kleiner, persönlicher Tick.”

Genau darin liegt das Problem. Tick? Warum drückt sie ihrer Stärke, dem worauf es eigentlich ankommt, einen solch negativen Stempel auf?

Feiert die Mode und zieht an worin ihr euch wohlfühlt

Worum es in der Initiative doch eigentlich gehen sollte, ist ein Appell an die eigene Selbstsicherheit, dem eigenen Ich. Frauen und Männer sollten doch einfach ihrer Liebe zur Mode nachgehen können, das auf dem roten Teppich tragen, worin sie sich genau in diesem Moment am wohlsten fühlen.

Möchte eine Frau ihren Prinzessin-Moment erleben und in einer aufregenden Robe über den roten Teppich schweben, dann soll sie diesen Moment für sich haben. Sich daran freuen, besondere Teile oder die höchsten High-Heels aus dem Schrank zu holen, die sich für sie selbst an diesem einmaligen Abend richtig anfühlen.

Möchte eine Frau in einer Marlene-Hose, kombiniert mit ihrem Lieblings-Blazer, in flachen Schuhen zur Premiere eines Berlinale-Films gehen, dann soll sie es doch bitte tun. Und nur darum geht es.

Schauspielerin Anna Brüggemann trägt den Pin ihrer Aktion “Nobody’s Doll” bei der Premiere von “Isle of Dogs”. (Bild: Getty Images)

Natürlich sind wir alle „Nobody’s Doll“ (dt.: keine Puppen eines Anderen). Wir sind wir. Und warum in dem Aufruf zur Kampfansage gegen das Look-Diktat des roten Teppichs überhaupt einen (unsichtbaren) Dritten miteinbeziehen? Niemand darf dich wie ein Püppchen behandeln und dein Outfit diktieren. Das machst allein du – aus ganz persönlichen Beweggründen und auch diese definiert jeder für sich.

Du entscheidest und du ziehst das an, in dem du dich wohlfühlst, den Moment genießen kannst. Vergleicht euch nicht mit anderen. Diese wichtige Lebenseinstellung haben wir doch eigentlich alle in der Kindheit gelernt, nur leider mit dem Alter verloren. Die Diskussion als Kind, dass Freunde ja dieses und jenes anders machen oder mehr dürfen, endete doch eigentlich immer in der abschmetternden, aber wahren Antwort unserer Eltern: Wir sind nicht die Anderen, wir sind wir, und wir machen das eben so! #JustYou

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Posted by Nobodysdoll on Friday, January 26, 2018