Norditalien stöhnt unter Trockenheit

Angesichts der schlimmsten Trockenperiode seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 70 Jahren hat die italienische Regierung in fünf nördlichen Regionen den Wasser-Notstand ausgerufen. Euronews-Reporter Julian Lopez Gomez hat sich mit seiner MoJo-Kamera auf eine Reise quer durch die Dürre-Zone gemacht.

Dem Mais-Bauern Armando Tamagni sind bereits ein Drittel seiner Pflanzen verdurstet:

"Ich bin 40 Jahre alt. Aber auch die älteren sagen, dass sie noch nie so ein Jahr wie dieses durchstehen mussten. Sicher, manchmal war das Wasser knapp, aber es war doch immer ausreichend da, um die Felder zu bewässern. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist das enormer Verlust, sowohl für die Landwirtschaft als Ganzes, wie auch für den Lebensmittelsektor."

Extremdürre am Po

Euronews-Reporter Julian Lopez Gomez:

"Ich bin per Boot auf dem Fluss Po unterwegs, die Folgen der Extemdürre sind überall zu sehen."

Die Fischer hier in der Gegend berichten, dass der derzeitige Wasserstand mindestens zwei Meter unter demjenigen des vergangenen Sommers liegt. Was früher ein Vergnügungsausflug war, ist heute eine Art Hindernisschwimmen durchs immer niedrigere Wasserbett.

Hindernisschwimmen & Untiefen

Fischer Nicolas Sivelli sagt, während er sein Boot langsam an Untiefen vorbeisteuert:

"Du musst vorsichtig sein, sonst.... dort, da drüben ist ein Gestrüpp aus Wasserpflanzen.... unter dem Wasser ist irgendwas.... auch da, ein Stück weiter... alles ist voll mit Wasserpflanzen und irgendwelchen Hindernissen... das ist echt gefährlich."

Tourismus und andere wirtschaftliche Aktivitäten am und auf dem Wasser sind blockiert. Nicolas Sivelli deutet auf die stille Maschine, die sich im spiegelglatten Flusswasser spiegelt:

"Diese Plattform wird normalerweise dazu verwendet, Sand aus dem Flussbett zu baggern. Aber da die Schleppkähne für den Abtransport hier nicht mehr hin kommen, ist alles gestoppt."

Undichte Leitungen: 40 Prozent Verlust

Lokale und überregionale Gebietskörperschaften stehen unter Druck. Der Direktor der für den Fluss Po zuständigen Aufsichtsbehörde hat nachgezählt: dies ist bereits der sechste Wassernotstand in der Region in 20 Jahren. Und das Klima-Chaos werde nicht verschwinden, deshalb sei es dringend notwendig, Anpassungsstrategien zu entwickeln, meint Meuccio Berselli, Manager der "Agenzia Interregionale Fiume Po":

"Wir müssen investieren, damit sich das nicht wiederholt. Wir sollten in der Lage sein, das Wasser bei Regen zurückzuhalten, dann haben bei Bedarf welches. Wir müssen die Kläranlagen umkonzipieren, damit wir das geklärte Wasser in der Landwirtschaft verwenden können. Wir sollten die Wasserkanäle sanieren, viele Leitungen sind undicht, dort vergeuden wir vierzig Prozent des Wassers. Auch die Bewässerungssysteme müssen modernisiert werden, wir sollten die Ansprüche an Innovation und Technik hochschrauben."

Aber auch Einzelne können Wasser sparen, das fängt an beim kürzeren Duschen, weniger Autowaschen, keine Privat-Pools mehr...

Euronews-Witness, unser Reportageformat, wurde diesmal im Norden Italiens gedreht. Die vollständige Zehnminutenreportage geht diese Woche online.

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