Sorgen über Eskalation mit Nordkorea

Der US-Präsident forderte China erneut auf, den USA zu helfen, Druck auf Nordkorea auszuüben, sein Atom- und Raketenprogramm einzustellen. Foto: Andrew Harnik

Im Streit über eine atomare Bewaffnung Nordkoreas wachsen die Sorgen über einen baldigen Nukleartest und eine militärische Intervention der USA.

China warnte US-Präsident Donald Trump eindringlich vor einem Militärschlag gegen das abgeschottete kommunistische Land. Trump verwies seinerseits darauf, dass der Flugzeugträger «USS Carl Vinson» in die Krisenregion unterwegs ist. «Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig», sagte er dem TV-Sender Fox. Kanzlerin Angela Merkel mahnte zu einer friedlichen Lösung.

Nach mehreren Raketentests befürchten Beobachter, dass Nordkorea einen neuen Atomwaffentest unternehmen könnte - möglicherweise sogar zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung am Samstag. Das US-Korea-Institut der Johns-Hopkins-Universität berichtete, Satellitenbilder des Testgeländes im Nordosten zeigten anhaltende und neue Aktivitäten. Die Forscher berichteten wie im März schon von Anzeichen für Vorbereitungen. Das Gelände sei «gerüstet und bereit».

Schon seit mehr als zehn Jahren verhängt der UN-Sicherheitsrat wegen Atom- und Raketentests Sanktionen gegen Nordkorea. Dahinter steht die Sorge, dass das Land Kernwaffen mit großer Reichweite entwickelt.

Der US-Präsident forderte China erneut auf, den USA zu helfen, Druck auf Nordkorea auszuüben, sein Atom- und Raketenprogramm einzustellen. Bei einer Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Washington drohte der US-Präsident erneut damit, das Problem notfalls im Alleingang lösen zu wollen. Wenn China nicht helfe, «werden wir es alleine machen».

Wie Trump in dem Fox-Interview ausführte, habe er Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bei ihren Gesprächen vergangene Woche in Florida gesagt, China habe «enorme Macht», weil Nordkoreas Handel über seine Grenze verlaufe. Zu Berichten, dass Kohleschiffe aus Nordkorea wieder zurückgeschickt worden seien, sagte Trump, das sei «ein gutes Zeichen». «Ich denke, China kann uns helfen.» Erneut stellte der US-Präsident dafür ein Entgegenkommen in Handelsfragen in Aussicht.

Kanzlerin Merkel sprach sich für eine politische Lösung aus. «Ich setze nicht auf militärische Mittel, sondern darauf, dass von verschiedenen Seiten starker politischer Druck auf Nordkorea ausgeübt wird», sagte die CDU-Chefin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Nordkorea verstoße permanent gegen UN-Resolutionen, kritisierte Merkel. «Die Welt hat ein Interesse daran, zu verhindern, dass Nordkorea sich nuklear bewaffnet.»

China warnte nachdrücklich vor einem Militärschlag. Die «Global Times», die vom Parteiorgan «Volkszeitung» herausgegeben wird, schrieb: «Militäraktionen gegen Nordkorea zu unternehmen, ist sehr viel riskanter als einen Raketenangriff gegen Syrien zu starten.» Pjöngjang könnte Südkorea im Gegenzug «einen schweren Schlag zu versetzen». Ungeachtet seiner atomaren Fähigkeiten könnte der Einsatz einer «schmutzigen Bombe» gegen Südkorea schwere nukleare Verseuchung verursachen, die für den US-Verbündeten «unerträglich» sein werde.

Aus Sicht des Nordkorea-Kenners Hartmut Koschyk (CSU) übt Peking bereits «sehr starken Druck» auf Pjöngjang aus. «Ich vermute, dass China dadurch auch verhindern will, dass die Dinge von amerikanischer Seite, zum Beispiel durch eine militärische Eskalation, aus dem Ruder laufen», sagte Koschyk im Bayerischen Rundfunk. Die USA und China hätten stärker zueinander gefunden haben als jemals zuvor. «China warnt Nordkorea vor weiteren, bisher nie dagewesenen Sanktionen, zum Beispiel die Drosselung der Ölzufuhr.»

In den vergangenen Wochen haben die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA zugenommen. Machthaber Kim Jong Un hatte mehrere Raketentest unternommen und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen. Als Demonstration der Stärke wies Trump den Flugzeugträger «USS Carl Vinson» an, nicht wie geplant nach Australien zu fahren, sondern Kurs auf die Gewässer nahe der koreanischen Halbinsel zu nehmen.

US-Vizepräsident Mike Pence wird am Sonntag in Seoul erwartet, auch um mit amerikanischen und südkoreanischen Soldaten und ihren Familien das Osterfest zu feiern. Von Südkorea reist Pence am Dienstag nach Japan weiter, wo er Ministerpräsident Shinzo Abe treffen wird. Vor dem Außen- und Verteidigungsausschuss des Oberhauses in Tokio warnte Abe vor den Chemiewaffenfähigkeiten Nordkoreas. Laut Medien sagte Abe, es bestehe die Möglichkeit, dass Nordkorea bereits über das Know-How verfüge, mit mit Sarin-Gas bestückten Sprengköpfen anzugreifen.

Nordkoreanische Raketentests unter Trump:

28. Januar: Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

12. Februar: Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März: Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März: Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab - drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März: Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16. bis 19. März: Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige «Politik der strategischen Geduld» gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA «nicht fürchten», schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

18. März: Nordkorea vermeldet Fortschritte in seinem umstrittenen Programm für Trägerraketen zum Transport von Satelliten in den Weltraum. Die Entwicklung ist aus der Sicht der Weltgemeinschaft eine Tarnung für den Antrieb von Interkontinentalraketen.

22. März: Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete «innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein».

2. April: Trump kündigt in einem Interview der «Financial Times» an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

5. April: Nordkorea feuert von der Ostküste eine ballistische Rakete in Richtung offenes Meer. Nach Angaben des US-Pazifikkommandos handelt es sich vermutlich um den Mittelstrecken-Typ KN-15.

6./7. April: Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein «ernstes Stadium» erreicht habe.

8. April: Die USA verlegen den Flugzeugträger «USS Carl Vinson» mit seinen Begleitschiffen näher an die koreanische Halbinsel.

10. April: China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit «härtesten Gegenmaßnahmen». Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. April: Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. «Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.»

12. April: Trump lobt China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein «großer Schritt».

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