UN-Sicherheitsrat will über koreanische Raketentests beraten

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Menschen schauen TV-Bericht über Raketentests (AFP/Jung Yeon-je)

Der UN-Sicherheitsrat will sich hinter verschlossenen Türen mit den zunehmenden militärischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel auseinandersetzen. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr, forderten Frankreich und Estland die Sitzung am Mittwoch, die noch am gleichen Tag (Ortszeit) stattfinden sollte. Zuvor hatten sowohl Nord- als auch Südkorea ballistische Raketen ins Meer gefeuert.

Die Vereinten Nationen riefen beide Regierungen zum Dialog auf. Die UNO sei "besorgt über die jüngsten Entwicklungen, die wir gesehen haben", sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric.

Zuvor hatten bereits die USA Nordkorea für seine Raketentests scharf kritisiert. Der Abschuss der Raketen sei eine "Verletzung mehrerer Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und stellt eine Gefahr für die Nachbarstaaten und andere Mitglieder der internationalen Gemeinschaft dar", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

Am Mittwoch testete Seoul erfolgreich eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete (SLBM). Südkorea ist damit erst das siebte Land weltweit, das über eine derart fortgeschrittene Technologie verfügt. Die SLBM wird als wichtiger strategischer Vorteil Seouls gegenüber dem Norden gewertet.

Die SLBM wurde nach Regierungsangaben von dem neuen U-Boot "Ahn Chang-ho" unter Wasser abgefeuert und traf wie vorgesehen ihr Ziel. Südkorea hat seine militärischen Fähigkeiten angesichts der Bedrohung aus dem Norden ausgebaut. Mit der SLBM verfüge Südkorea nun über eine "ausreichende Abschreckung, um jederzeit auf die Provokationen Nordkoreas zu reagieren", erklärte Präsident Moon Jae In nach den Tests.

Kurz darauf wurde er von der einflussreichen Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un scharf angegangen. Kim Yo Jong verurteilte "die unlogische Haltung Seouls", das seine Raketenstarts als "legitime Aktionen zur Unterstützung des Friedens und unsere Aktionen als Bedrohung des Friedens" betrachte, sagte sie laut Staatsmedien.

Wenige Stunden zuvor hatte Nordkorea "zwei ballistische Kurzstreckenraketen" von der Provinz Süd-Pyöngan aus ins Meer abgefeuert, wie der südkoreanische Generalstab erklärte. Sie seien etwa 800 Kilometer weit in einer maximalen Höhe von 60 Kilometern geflogen. Laut dem Verteidigungsministerium in Tokio landeten die Raketen in von Japan beanspruchten Gewässern.

Die nordkoreanischen Raketentests erfolgten kurz nach einem Besuch des chinesischen Außenministers Wang Yi in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Analysten halten den Zeitpunkt der Tests für ein unmissverständliches Signal an Peking, das als wichtigster diplomatischer Verbündeter und Handelspartner Nordkoreas gilt.

Der Nordkorea-Experte Yang Moo Jin bewertete die nordkoreanischen Raketentests als "eine indirekte Botschaft Nordkoreas und sogar eine Aufforderung an Peking, die koreanische Halbinsel als zentrales Thema auf die chinesische Agenda zu setzen". Gleichzeitig wolle Pjöngjang offenbar seine Vormachtstellung auf der koreanischen Halbinsel demonstrieren.

Am Samstag und Sonntag hatte Nordkorea eigenen Angaben zufolge bereits eine neue "Langstreckenrakete" getestet. Laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verliefen die Tests "erfolgreich". Die Raketen hätten nordkoreanisches Land- und Meeresgebiet überflogen und Ziele in 1500 Kilometer Entfernung getroffen.

Nordkorea unterliegt wegen seines Atom- und Raketenprogramms harschen internationalen Sanktionen, die der Wirtschaft des kommunistisch geführten und weitgehend isolierten Landes schwer zu schaffen machen.

Gespräche zwischen den USA und Nordkorea über den Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals liegen seit einem Gipfeltreffen von Machthaber Kim mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump 2019 auf Eis. Unter dem seit Jahresbeginn amtierenden US-Präsidenten Joe Biden hat es bislang keine Annäherung zwischen Washington und Pjöngjang gegeben.

fml/lan

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