Nordkoreas Machthaber will Raketenprogramm deutlich ausweiten

Seoul: Reichweite von gestarteter Rakete über 10.000 Kilometer

Das wegen seines Atomprogramms international kritisierte Nordkorea will sein Raketenprogramm deutlich ausbauen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KNCA am Samstag berichtete, wies Machthaber Kim Jong Un Wissenschaftler und Techniker an, größere Raketen zu entwickeln, die offiziell Satellitenstarts dienen sollen. Schon die Mitte Dezember von Nordkorea abgefeuerte Rakete hatte offenbar eine Reichweite von über 10.000 Kilometern.

Kim habe die Wissenschaftler am Freitag zu einem Festessen empfangen und die Anordnung zum Ausbau des Raketenprogramms gegeben, berichtete KCNA. Ziel ist demnach der Bau und Start von Trägerraketen "mit größerer Kapazität", die "eine Vielzahl arbeitender Satelliten, darunter Kommunikationssatelliten" ins All bringen sollen.

Trotz internationaler Proteste hatte Nordkorea Mitte Dezember eine Trägerrakete für Satelliten gestartet. Der Westen vermutet hinter dem Start einen unzulässigen Test für das nordkoreanische Atomprogramm. Kim bezeichnete die Rakete laut KNCA am Freitag als "große Erklärung", die das Recht Nordkoreas unterstreiche, "den Weltraum für friedliche Zwecke zu nutzen". Pjöngjang unterliegt wegen Atomtests in den Jahren 2006 und 2009 internationalen Sanktionen.

Die zuletzt von Nordkorea ins All geschossene Rakete hatte Südkorea zufolge eine Reichweite von mehr als 10.000 Kilometern. Dies habe eine Simulation ergeben, bei der angenommen worden sei, dass die Rakete mit einem bis zu 600 Kilogramm schweren Sprengkopf ausgestattet werde, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul am Sonntag mit. Mit einer Reichweite von 10.000 Kilometern könnte eine solche Rakete ganz Asien, Osteuropa, Westafrika, Alaska und weite Teile der US-Westküste treffen.

Die Erkenntnisse beruhen auf der Auswertung eines Oxidationsmittelcontainers, der von den Trümmerteilen der ersten Stufe der Rakete stammt, die von Südkoreas Marine geborgen worden waren. Nicht geklärt worden sei, ob die Rakete in der Lage gewesen wäre, wieder in die Erdatmosphäre einzutreten, was etwa für einen ballistischen Interkontinentalangriff nötig wäre. Dazu müssten auch Trümmerteile der zweiten und dritten Stufe untersucht werden.

Die geborgenen Teile wiesen eine Verbindung aus Aluminium und Magnesium auf, wobei acht Elemente von Hand geschweißt gewesen seien. "Die Schweißarbeiten waren simpel", sagte ein Ministeriumsbeamter. Auch Oxidationsmittelbehälter zur Aufbewahrung giftiger Chemikalien würden nur selten von Ländern mit fortgeschrittener Raumfahrttechnologie verwendet.

Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag berichtete, konnte die Marine noch weitere Teile der Rakete aus dem Gelben Meer bergen, darunter einen Treibstofftank, eine Brennkammer sowie eine Maschinen-Verbindungsstange. Die Teile würden derzeit untersucht.

Südkoreanische Aktivisten starteten unterdessen trotz einer befürchteten militärischen Reaktion Nordkoreas eine Grenzaktion zu Weihnachten. Kirchenaktivisten stellten nach Angaben aus Seoul an der Grenze einen riesigen Weihnachtsbaum mit tausenden Lichtern auf. Der auf einem Hügel stehende Baum dürfte von Nordkorea aus kilometerweit zu sehen sein.

Das verarmte Nordkorea, in dem die Bevölkerung unter regelmäßigen Stromausfällen leidet, hat ähnliche Aktionen immer wieder als Provokation und "psychologische Kriegsführung" gebrandmarkt und mit Vergeltung gedroht.

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