Norwegischer Flüchtlingsrat: Im Jemen schwerste Versorgungskrise weltweit

NRC-Generalsekretär Jan Egeland

Im Jemen herrscht derzeit nach Einschätzung einer Nichtregierungsorganisation die schwerste Versorgungskrise weltweit. Die kommerziellen Lebensmittelimporte im Jemen seien auf ein "Allzeittief" gesunken, erklärte der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC) am Mittwoch. Die Lebensmittelpreise seien dadurch um durchschnittlich ein Drittel gestiegen. "Das verursacht im Jemen die größte Lebensmittelsicherheitskrise der Welt", sagte NRC-Generalsekretär Jan Egeland bei einer Pressekonferenz in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa.

"Nirgendwo auf der Welt sind so viele Menschenleben in Gefahr", warnte Egeland. Die Versorgungskrise im Jemen sei "ein gigantisches Scheitern internationaler Diplomatie". Egeland rief die "Männer mit Waffen und Macht" im Jemen und in aller Welt auf, einen Waffenstillstand für das Land auszuhandeln und auf dem Verhandlungsweg den Krieg zu beenden.

Im Jemen kämpfen seit Anfang 2015 die schiitischen Huthi-Rebellen gegen die Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Seit März 2015 fliegt eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition Luftangriffe auf die Rebellen. Extremistengruppen wie Al-Kaida und der Islamische Staat (IS) machen sich den Konflikt zunutze, um ihre Macht in dem Land auszuweiten.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in dem Konflikt bereits mehr als 7700 Menschen getötet. Rund drei Millionen Menschen wurden vertrieben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag bei einem Besuch in Saudi-Arabien für einen politische Lösung des Konflikts im Jemen geworben.

Hilfsorganisationen befürchten derzeit einen Militärangriff auf Hodeida. Die Stadt im Westen des Jemen wird von den Huthi-Rebellen kontrolliert. Der Jemen ist fast vollständig auf Importe angewiesen, von ihnen kommt ein großer Teil über den Hafen Hodeida ins Land.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen