Nach Notfallzulassung beginnt in den USA Verteilung von Moderna-Impfstoff

Issam AHMED
·Lesedauer: 3 Min.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie können die USA auf einen zweiten Impfstoff zurückgreifen: Einen Tag nach der Notfallzulassung des vom US-Pharmakonzern Moderna hergestellten Mittels wurden am Samstag die ersten Dosen des Impfstoffs ausgeliefert. In den USA läuft seit vergangenem Montag bereits eine großangelegte Impfkampagne mit dem Vakzin der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer. Auch die Schweiz gab am Samstag grünes Licht für den Biontech-Pfizer-Impfstoff.

"Die Verteilung des Moderna-Impfstoffs hat begonnen", erklärte der General Gus Perna vom Impfprojekt "Warp Speed" (Überlichtgeschwindigkeit) der US-Regierung. Die ersten Lastwagen verließen am Samstag ein Fabrikgelände in Bloomington im Bundesstaat Indiana, wo die Firma Catalent den Moderna-Impfstoff in Ampullen abfüllt.

Die nationale Arzneimittelbehörde FDA hatte am Freitagabend eine Notfallzulassung für den Moderna-Impfstoff erteilt. Es ist die erste Zulassung für den Moderna-Wirkstoff weltweit. Vor einer Woche hatte in den USA bereits der Biontech-Pfizer-Impfstoff die Notfallzulassung erhalten.

"Mit der Verfügbarkeit von nunmehr zwei Corona-Impfstoffen hat die FDA einen weiteren entscheidenden Schritt im Kampf gegen diese Pandemie gemacht", erklärte FDA-Chef Stephen Hahn. Auch der scheidende US-Präsident Donald Trump zeigte sich erfreut: "Glückwunsch, der Moderna-Impfstoff ist nun erhältlich", schrieb er im Onlinedienst Twitter.

Sein gewählter Nachfolger Joe Biden sprach ebenfalls von einer guten Nachricht. Er betonte in einer Erklärung aber zugleich "die riesige Herausforderung, hunderte Millionen Amerikaner zu impfen".

Moderna-Chef Stéphane Bancel erklärte, er sei stolz auf die Notfallzulassung. Der Impfstoff sei innerhalb von elf Monaten entwickelt und klinisch getestet worden. Moderna konzentriere sich nun darauf, die Produktion des Wirkstoffs weiter hochzufahren.

Die USA hatten die Erforschung des Impfstoffs mit 2,5 Milliarden Dollar unterstützt, außerdem beteiligte sich das Nationale Gesundheitsinstitut an der Entwicklung. Bereits am Montag hatte in den USA die Impfkampagne mit dem Biontech-Pfizer-Wirkstoff begonnen, auch Großbritannien impft schon damit.

Experten befürchten aber, dass viele Menschen sich aus Skepsis über die in Rekordzeit entwickelten Impfstoffe nicht impfen lassen wollen. Um das Vertrauen zu stärken, hatte sich US-Vizepräsident Mike Pence am Freitag vor laufenden Kameras mit dem Biontech-Pfizer-Mittel impfen lassen. Biden kündigte an, er werde sich am Montag zusammen mit seiner Ehefrau Jill öffentlich impfen lassen. Trump dagegen hat wiederholt erklärt, dass er sich nach seiner Corona-Infektion im Oktober für "immun" halte.

Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ sich am Samstag vor laufenden Kameras gegen das Coronavirus impfen. An der Seite seines Gesundheitsminister Juli Edelstein bekam er den Biontech-Pfizer-Wirkstoff verabreicht. Der 71-jährige Regierungschef erklärte, er wolle ein gutes Beispiel abgeben und alle Israelis ermutigen, sich ebenfalls impfen zu lassen.

In den USA sind bereits mehr als 17 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 314.000 Todesfälle bestätigt worden. Das sind die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit. Derzeit werden täglich mehr als 200.000 neue Ansteckungen und teilweise mehr als 3000 Tote verzeichnet. Alle Hoffnungen ruhen nun auf den Impfstoffen. Die US-Regierung hat 200 Millionen Dosen bei Moderna und 100 Millionen bei Biontech-Pfizer geordert.

Eine Notfallzulassung in allen EU-Staaten wird derzeit von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) geprüft. Diese hat angekündigt, am kommenden Montag über das Biontech-Pfizer-Vakzin zu entscheiden sowie am 6. Januar über den Moderna-Impfstoff. Bei einem positiven Votum sollen in Deutschland und den anderen EU-Staaten noch vor Jahresende die ersten Menschen geimpft werden.

Die Schweiz erteilte dem Impfstoff von Biontech und Pfizer schon am Samstag die Zulassung. Die Zulassungsbehörde Swissmedic erklärte, sie sei nach "sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken" zu dem Schluss gekommen, dass der Impfstoff sicher sei.

Die Schweiz hat mit Biontech, Moderna und dem britisch-schwedischen Konzern AstraZeneca Verträge über die Lieferung von insgesamt 15,8 Millionen Impfdosen abgeschlossen. Biontech soll etwa drei Millionen Dosen in die Schweiz liefern. Angesichts der steigenden Zahl von Neuinfektionen hatte die Regierung in Bern am Freitag eine Verschärfung ihrer Corona-Maßnahmen angekündigt.

sip/bfi