Notsignale von argentinischem U-Boot empfangen

Das U-Boot "ARA San Juan" 2014 im Hafen von Buenos Aires

Bei der Suche nach dem seit Mittwoch im Südatlantik vermissten U-Boot der argentinischen Marine gibt es einen Hoffnungsschimmer: Es seien Notsignale des U-Bootes mit seiner 44-köpfigen Besatzung empfangen worden, teilte das argentinische Verteidigungsministerium am Samstag mit. Sieben Satelliten-Anrufversuche zu Militärstützpunkten seien am Samstag registriert worden, der Kontakt habe aber nicht hergestellt werden können. Nun soll der genaue Ort gefunden werden, von dem die Anrufe kamen.

Seit Mittwochvormittag hatte es keinen Kontakt mehr zu der 44-köpfigen Besatzung der "ARA San Juan" gegeben. Die argentinische Marine startete daraufhin eine großangelegte Suchaktion. Daran waren Flugzeuge und Schiffe der argentinischen Streitkräfte sowie unter anderem ein Flugzeug der US-Raumfahrtbehörde Nasa und ein weiteres Flugzeug aus den USA beteiligt. Schlechte Sicht- und Wetterverhältnisse mit bis zu sieben Meter hohen Wellen erschwerten die Suche, die bisher erfolglos verlief.

Die nun aufgefangenen Telefonsignale waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums jeweils nur sehr kurz: Zwischen vier und 36 Sekunden lang, sieben Anrufversuche bei Marinestützpunkten über einen Zeitraum von rund fünf Stunden. Marinesprecher Enrique Balbi sagte, dass "die Kürze der Verbindung anzeigt, dass sie ein sehr schwaches Signal hatten". Dies werde die Lokalisierung erschweren.

"Sie sind oben! Gott sei Dank, wir sind so glücklich", sagte Claudio Rodríguez, der Bruder des Maschinisten des U-Bootes. "Wenn sie über ein Satellitentelefon angerufen haben, sind sie an der Oberfläche, und das gibt uns Hoffnung, denn wir wussten, dass sie 'unten' verloren gewesen wären." Mit bewegter Stimme fügte er im Sender TN hinzu: "Ich weiß, dass sie sie finden werden."

Die Signale wurden laut Ministerium in Zusammenarbeit mit einer US-Firma entdeckt, die auf Satellitenkommunikation spezialisiert ist. Alle Kommunikationsstationen an der Küste wurden angewiesen, auf allen Frequenzen nach Signalen von dem U-Boot zu suchen.

Eine Hypothese der argentinischen Marine ist ein technisches Versagen bei dem U-Boot, etwa ein Problem mit der Stromversorgung. In diesem Fall sieht das Protokoll der Marine das Auftauchen des U-Boots an die Oberfläche vor. Normalerweise muss das U-Boot alle 48 Stunden seine Position durchgeben.

Die "ARA San Juan" war auf dem Rückweg von einem Routineeinsatz zu ihrem Stützpunkt in Mar del Plata, etwa 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Buenos Aires. An Bord ist auch der erste weibliche U-Bootoffizier Argentiniens und ganz Südamerikas, die 35-jährige Eliana Krawczyk.

Der argentinische Verteidigungsminister Oscar Aguadon koordinierte von Mar del Plata aus die Suchaktion und traf dort mit Angehörigen der Besatzungsmitglieder zusammen, die psychologisch betreut werden. Papst Franziskus, ein Argentinier, betete nach eigenen Angaben für die 44 Seeleute und deren Familien. Argentiniens Präsident Mauricio Macri versicherte über den Kurzbotschaftendienst Twitter, dass alle Mittel eingesetzt würden, um das U-Boot zu finden.

Das 65 Meter lange und sieben Meter breite Diesel-Elektro-Boot vom Typ TR-1700 wurde in der Werft Thyssen Nordseewerke in Emden gebaut und lief 1983 vom Stapel. 2007 und 2014 wurde die "ARA San Juan" generalüberholt. ARA steht für Armada de la República Argentina (Flotte der Republik Argentinien) und ist im Namen sämtlicher argentinischer Kriegsschiffe enthalten. Die argentinische Marine verfügt über insgesamt drei U-Boote aus deutscher Produktion.

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