NSA kann angeblich Sim-Karten-Verschlüsselung knacken

Sim-Karte in einem Handy

Die Geheimdienste der USA und Großbritanniens können angeblich die Verschlüsselung von vielen Sim-Karten in Mobiltelefonen knacken. Die NSA und sein britisches Pendant GCHQ hätten die Verschlüsselungscodes des führenden Sim-Karten-Herstellers Gemalto gestohlen, berichtet das Investigativ-Portal "The Intercept". Dadurch könnten die Geheimdienste sowohl Handygespräche abhören als auch Datenströme von Smartphones anzapfen.

"The Intercept" beruft sich auf ein NSA-Dokument aus dem Jahr 2010, das der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden weitergegeben hatte. Der GCHQ und die NSA verschafften sich demnach die Verschlüsselungscodes, indem sie die private Kommunikation von Gemalto-Informatikern durchforsteten.

Wie viele Codes genau gestohlen wurden, ist dem Bericht zufolge unklar. Aber selbst bei einer "konservativen" Schätzung sei die Zahl "erstaunlich". Schon 2009 sei die NSA technisch dazu in der Lage gewesen, bis zu 22 Millionen Verschlüsselungscodes pro Sekunde zu knacken, um sie bei späteren Abhöraktionen einsetzen zu können, schreibt die vom US-Journalisten Glenn Greenwald gegründete Website.

Sollte es den Geheimdiensten tatsächlich gelungen sein, die Verschlüsselungscodes der Sim-Karten zu stehlen, wären sie dazu in der Lage, heimlich einen großen Teil der weltweiten Mobilfunk-Kommunikation zu überwachen - ohne Gerichtsbeschluss oder gezielte Abhöraktionen. Aus früheren Snowden-Dokumenten war hervorgegangen, dass die NSA auch den E-Mail-Verkehr und Telefongespräche über das Festnetz massiv überwacht.

Die NSA äußerte sich auf Nachfrage nicht zu den Vorwürfen. Gemalto hat seinen Sitz in den Niederlanden. Das Unternehmen, das damit wirbt, "Milliarden von Nutzern sichere und benutzerfreundliche digitale Dienste anzubieten", stellt Milliarden von Sim-Karten und andere Chipkarten zum Beispiel für Bankkarten her.

Eine Unternehmenssprecherin teilte mit, der Bericht von "The Intercept" werde "sehr ernst" genommen. Gemalto werde "alle notwendigen Ressourcen" aufwenden, um den Vorwürfen nachzugehen. Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren immer wieder von Hackern angegriffen worden und verhalte sich "besonders wachsam". Derzeit sei noch keine Verbindung zwischen früheren Hackerattacken und den mutmaßlichen Aktivitäten von NSA und GCHQ festgestellt worden.

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