Nur in der Theorie gut: Radfahrprojekte in Köln werden kaum realisiert

Trotz einiger Verbesserungen sind viele Radwege in einem desolaten Zustand.

Wenn am Montag in Mannheim beim Nationalen Radverkehrskongress die besten Radverkehrsprojekte des Jahres ausgezeichnet werden, gehören auch drei Kölner Projekte zu den Bewerbern.

Die Stadt hat sich mit dem Radverkehrskonzept für die Innenstadt beteiligt, die Kölner Verkehrs-Betriebe mit ihrem Leihradsystem und das Erzbistum mit dem Internetportal pfarr-rad.de. Das verdeutlicht, wie wichtig das Thema geworden ist, zumal selbst der ADAC erkannt hat, dass in Köln in Sachen Mobilität nur noch beim Fahrrad ein Wachstumspotenzial vorhanden ist.

In der Theorie hat sich Köln weiterentwickelt, in der Praxis bleibt man allerdings weit hinter den Möglichkeiten zurück. So sind viele Radwege nach wie vor in einem desolaten Zustand. Das Radverkehrskonzept für die Innenstadt, das der Stadtrat Mitte 2016 beschlossen hatte, soll erst ab diesem Sommer vollständig realisiert werden. Die Stadt will die 166 einzelnen Maßnahmen je nach ihrer Priorisierung kurzfristig (ein bis drei Jahre), mittelfristig (vier bis sechs Jahre) oder langfristig (zehn Jahre) umsetzen.

Ein Netz aus 83 Fahrradstraßen soll aufgebaut werden

Ein wesentlicher Bestandteil ist der Aufbau eines aus fünf Schwerpunktachsen und 83 Fahrradstraßen bestehenden Netzes. Kurzfristig soll die Achse Gladbacher Straße und Christophstraße verbessert werden, um die Verbindung zwischen Innenstadt und Ehrenfeld zu stärken. Darüber hinaus sollen gemeinsame Fahrstreifen für Auto- und Radfahrer eingerichtet werden, wie sie bereits in den USA, Kanada und Australien existieren.

Auf der Ulrichgasse, einem 500 Meter langen Abschnitt der Nord-Süd-Fahrt zwischen Ringen und Severinsbrücke, will die Verwaltung in beiden Richtungen eine Spur nur für Radfahrer markieren. Auto- und Lkw-Fahrer werden im Gegenzug an Raum verlieren. Entlang der Wälle soll eine Ausweichstrecke für die Ringe entstehen.

Weitere Pläne: Die Öffnung weiterer Einbahnstraßen für den Radverkehr sowie eine Verbesserung der Radwege auf den Rheinbrücken. So wird zwar seit Jahrzehnten über eine Rampe vom Breslauer Platz zur Hohenzollernbrücke diskutiert, geschehen ist aber immer noch nichts.

Die Initiative „Ring frei“ will den Radverkehr auf die Straße verlegen

Zwischen Köln und Frechen soll – vorbei an der Uni, am Gewerbegebiet Marsdorf und am Europapark in Frechen – ein erster Radschnellweg gebaut werden. Das Konzept sieht vor, Rad- und Fußgängerverkehr zu trennen und den Radlern an Kreuzungen mit Autoverkehr eine Art „grüner Welle“ ermöglichen. Die 8,7 Kilometer-Route wurde 2013 beschlossen, erst im November 2016 gaben Stadt und Land eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Die Kosten für den Weg werden auf 6,3 Millionen Euro beziffert, NRW trägt 80 Prozent. Baubeginn: frühestens 2018.

Als weiterer wichtiger Baustein gilt die Initiative „Ring frei“. Auch dort soll der Radverkehr auf die Straße verlegt werden, bei einem Tempolimit von 30 km/h. Die Initiatoren wünschen sich zudem eine „Protected Bike Lane“, also eine bauliche Abtrennung der Radstreifens vom Rest der Straße.

Kölnerin in Mannheim nominiert

Auf dem Nationalen Radverkehrskongress in Mannheim werden vorbildliche Ideen mit Geldpreisen lausgezeichnet. Zu den drei Nominierten in der Kategorie „Innovation“ gehört auch das Projekt Radbonus aus Köln. Nora Grazzini hat eine App entwickelt, die Radfahrer finanziell belohnen soll. Vereinfacht gesagt funktioniert die App so: die gefahrenen Kilometer werden registriert – und der Radler wird dafür belohnt: von seiner Krankenversicherung (Radeln ist Gesundheitsprävention), vom Arbeitgeber, von bestimmten Einzelhändlern (mit Rabatten).

Grazzinis Projekt wurde 2015 in den Startplatz-Inkubator in Köln aufgenommen. Inzwischen haben 10 000 Menschen die App heruntergeladen und 1,5 Millionen Radkilometer zurückgelegt. Die Kölnerin will die App ausbauen und peilt für 2017 65 000 Euro Umsatz an, für das Jahr 2018 sogar 200 000 Euro. (bce)

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