Obdachloser findet 15.000 Euro und überreicht das Geld der Tafel

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style

Der 32-jährige Kevin Booth lebt in den Straßen der amerikanischen Kleinstadt Sumner im Bundesstaat Washington. Eines frühen Morgens machte er vor der örtlichen Tafel eine Entdeckung und stand vor einer schwierigen Entscheidung: Sollte er sich selbst bereichern oder mit der Gemeinschaft teilen?


“Eine Geschichte zum Gutfühlen gefällig? Am 29. November feierte die Polizei von Sumner gemeinsam mit Kevin Booth und der Tafel von Sumner eine wahre Geschichte über Großzügigkeit, die Bereitschaft zu teilen und eine Spende über 17.000 Dollar.”

Am frühen Morgen des 23. August 2018 wartete der Tafel-Stammgast Kevin Booth vor der Wohltätigkeitseinrichtung darauf, dass sich die Tore öffnen würden. Er ist seit Jahren auf die ehrenamtliche Arbeit der Sozialarbeiter angewiesen. Da fiel ihm eine braune Papiertüte auf, die an die Wand gelehnt dastand. “Ich dachte, was zum Teufel liegt da auf dem Boden?”, erinnert sich der 32-Jährige in einem Interview mit “The News Tribune”.

“Ich ging hin und legte die Tüte auf eine Mülltonne, dann griff ich hinein und fand einen 20-Dollar-Schein.” Nachdem er sich durch einen Geruchstest davon überzeugt hatte, dass es sich um echtes Geld handelte, stand der mittellose Mann vor der Entscheidung: “Haue ich jetzt ab oder bleibe ich hier?” Er entschied sich für die zweite Option.

Der 32-jährige Kevin Booth fand 17.000 Dollar vor einer Wohltätigkeitseinrichtung und übergab sie einer Mitarbeiterin. (Symbolbild: Getty Images)

Als um 7:30 Uhr die erste Mitarbeiterin erschien, übergab Booth der Frau die Papiertüte mit den Worten: “Das gehört ihnen”, wie die Leiterin der örtlichen Tafel, Anita Miller, drei Monate später berichtet. Weder die Mitarbeiterin noch Booth wussten zu diesem Zeitpunkt, was genau sich in der Tüte befand. Die Frau ging von einer Lebensmittelspende aus und ging hinein, um sie zu wiegen. Als die Ehrenamtliche die Tüte aber genauer inspizierte, bemerkte sie, dass sie voller Bargeld war und rief die Polizei.

Das Geld blieb 90 Tage bei der Polizei, der Besitzer konnte nicht gefunden werden

Die Beamten zählten exakt 17.000 Dollar (ca 15.000 Euro). Während der Ermittlungen verblieb das Geld in Gewahrsam der Polizei. “Das Geld könnte aus einem Überfall stammen oder jemand hat es vielleicht verloren oder es könnte einfach eine Spende sein,” fasste ein Sprecher der örtlichen Polizei gegenüber “king5.com” die Möglichkeiten zusammen. Die Auswertung von Bildern einer Überwachungskamera offenbarte zwar nicht, wer das Geld hinterlassen hatte, doch es wurde deutlich, dass Booth der Finder war. Der Obdachlose fiel aus allen Wolken, als man ihm berichtete, was er da genau gefunden hatte.

Doch letztlich war er stolz auf sich und befand, dass das Geld auf diese Weise mehr Menschen helfen würde als nur ihm selbst, wie er gegenüber Polizeichef Brad Moericke aussagte. Und um seine Zukunft muss Booth sich nun auch keine allzu großen Gedanken mehr machen. “Wir werden immer für ihn sorgen,” sagte Leiterin Miller gegenüber Yahoo. “Wir haben ihn mit einer Kreditkarte in ein Selbstbedienungswarenhaus geschickt, wo er alles mitnehmen konnte, was er wollte.” Auch wurde mittlerweile eine Crowdfunding-Kampagne auf “gofundme.com” für den 32-Jährigen gestartet, wo bereits über 3.000 Euro zusammengekommen sind.