Obszönes Gemüse: Was steckt hinter der Aufregung um den "Porno-Spargel"?

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

Im Netz wird hitzig über den "Porno-Spargel" eines österreichischen Lieferdienstes diskutiert. Was genau hat es mit der Aufregung auf sich, die übrigens zur Hälfte auf einem Missverständnis beruht?

Ein Bild mit Spargel sorgte im Netz für eine peinliche Posse. (Symbolbild: Getty Images)
Ein Bild mit Spargel sorgte im Netz für eine peinliche Posse. (Symbolbild: Getty Images)

Seinen Spargel wollte ein österreichischer Lieferdienst für Frischeprodukte auch im Internet vermarkten. Dort stieß das Unternehmen jedoch auf den Widerstand eines großen Anbieters, der ein Bild mit dem Gemüse als anstößig einstufte. Der Vorfall hat für Aufsehen gesorgt, im Netz kursieren Begriffe wie "Porno-Spargel" und "Spargelgate". Allerdings gründet der Aufschrei auf einem Missverständnis. Nicht Facebook ist der prüde Moralwächter in dieser Geschichte, sondern ein anderer Internetkonzern.

Das Werbebild des Lieferdienstes Ögreissler, der seine regionalen Frischeprodukte per Post, mit Fahrrädern oder Elektroautos ausliefert, besteht aus zwei Teilen. Auf der linken Hälfte prangt ein Bund weißer Spargel. Rechts daneben sieht man den Gründer und Chef des nahe Wien ansässigen Unternehmens, Peter Comhaire, der zwei Stangen des Gemüses in den Händen hält.

Harmloses Bild als obszön eingestuft

Eigentlich zwei harmlose Motive, möchte man meinen, die auch in ihrer Kombination ein unschuldiges Ganzes ergeben. Doch als Comhaire das Bild im Internet veröffentlichen wollte, stellte sich der Anbieter quer, über dessen Dienstleistung er den Spargel vermarkten wollte. Die Begründung des Konzerns: Der Inhalt des Fotos ist obszön.

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Der Ögreissler-Chef staunte nicht schlecht und machte den Vorfall im Internet publik. Es kam zu einem Aufschrei, schnell war von Nutzern und Medien ein Schuldiger ausgemacht. Facebook habe ein im Grunde unschuldiges Bild als nicht jugendfrei eingestuft und gesperrt. Auch die Bild-Zeitung hatte darüber berichtet. "Das Foto wäre "vom Facebook-Algorithmus als anstößiger Erwachseneninhalt identifiziert und gelöscht worden", hieß es in dem Bericht.

Missverständnis aufgeklärt

Stimmt nicht ganz. Zwar wurde das Spargel-Bild tatsächlich als obszön beanstandet, allerdings nicht von Facebook, sondern von Google, wie Unternehmer Comhaire in einem Interview mit dem Spiegel mittlerweile richtiggestellt hat. "Facebook hat nichts gelöscht. Das Bild, um das es geht, wollte ich für eine Anzeigenkampagne über Google verwenden, als eines von vielen Motiven", sagt der Unternehmer. Dann hätte er eine Fehlermeldung erhalten, in der es hieß, die Anzeige werde nicht ausgeliefert. Denn: Inhalte für Erwachsene dürften nicht für Werbung benutzt werden.

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Zu dem Missverständnis, dass Facebook das Bild zensiert hat, kam es, weil Comhaire den Vorfall auf dem sozialen Netzwerk kommentierte. "Die Leute, die Artikel dazu geschrieben haben", meint der Unternehmer, hätten "wohl einfach angenommen, es gehe um Facebook."

Facebook oder Google, Jacke wie Hose. Kurios bleibt der Vorfall trotz der Wendung. Wie es dazu überhaupt kommen konnte, darüber hat Comhaire eine Vermutung. Ihm wäre "sofort klar gewesen, dass hier wohl kein Mensch versagt hat", sagt er. "Google geht das vermutlich so an, dass Bilder schon beim geringsten Verdacht, dass sie anstößig sein könnten, gesperrt werden."

Kurios bleibt kurios

Wenn also wirklich Googles Algorithmus hinter all dem steckt, dann stellt sich die Frage: Was fand die KI an dem Motiv so anstößig? Immerhin halten im Netz viele andere Spargel-Bilder einer Prüfung stand. Die Erklärung Comhaires: "Ich denke, das Problem ist, dass ich – ein Mann – den Spargel auf dem rechten Teil des Bildes auf dem Schoß habe, dass ich da meine Hände dran habe." Und den Spargelbund könnte die KI für obszön gehalten haben, weil er nicht flach liege, sondern aufrecht stehe.

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Mit anderen Worten: Google könnte den Spargel in den Händen des Mannes für einen Penis gehalten haben. Das ist absurd, in der Tat, und zeigt, dass auch Computer und KI im Besonderen fehleranfällig sind. Andererseits: Ist dieser eine Fehler nicht nachvollziehbar? Es ist doch immerhin so eine Sache mit dem Spargel. Das meint auch Comhaire: "Eine gewisse sexuelle Konnotation hat der Spargel wegen seines Aussehens ja", meint der Verkäufer des vermeintlichen "Porno-Spargels".

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