Über 80 Tote bei Explosionen an syrischer Universität

Gouverneur spricht von "terroristischem Anschlag"

Durch zwei verheerende Explosionen an der Universität im syrischen Aleppo sind nach Angaben der Behörden mehr als 80 Menschen getötet worden. Provinzgouverneur Mohammed Wahid Akkad sowie ein Arzt der örtlichen Universitätsklinik sprachen zudem von mehr als 160 Verletzten. Die Aufständischen sowie die syrische Führung machten sich gegenseitig für die Vorfälle verantwortlich.

Akkad sprach von einem "terroristischen Anschlag" auf die Hochschule, wo gerade Prüfungen stattgefunden hätten. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 52 Toten, darunter sowohl Studenten als auch Flüchtlinge, die derzeit zu Tausenden auf dem Campus untergebracht sind. Es gebe viele Verletzte, daher könne die Zahl der Toten noch deutlich steigen.

Regierungsgegner machten einen Angriff der syrischen Luftwaffe verantwortlich, während eine Militärquelle von zwei Boden-Luft-Raketen sprach, die von Aufständischen abgefeuert worden seien, jedoch ihr Ziel verfehlt hätten. Auch die amtliche Nachrichtenagentur Sana machte "Terrorgruppen" für die Explosionen verantwortlich - ein Begriff, den die Führung für die bewaffneten Aufständischen benutzt.

Äußerungen von Studenten zufolge wurden durch die Explosionen die Fakultäten für Bildende Kunst sowie Architektur zerstört. Videoaufnahmen zeigten panische und in Tränen aufgelöste junge Menschen inmitten von umherliegenden Trümmern. Als sich eine Gruppe der Eingangstür nähert, schreit jemand, dass sie im Gebäude bleiben sollen.

Die Universität hatte trotz der Kämpfe im Land zum Wintersemester wieder geöffnet. Sie liegt in einem von der Armee kontrollierten Stadtviertel. Andere Bezirke werden seit Juli von Aufständischen kontrolliert.

Vize-Außenminister Dschihad Mokdad sagte unterdessen in einem BBC-Interview, es sei vollkommen legitim, wenn sich Staatschef Baschar al-Assad 2014 erneut zur Wahl stelle. "Warum sollten wir das ausschließen?" Letztlich werde an den Wahlurnen über die Zukunft Syriens entscheiden. Assad regiert das Land seit 2000. Der im Februar vergangenen Jahres angenommenen Verfassung zufolge kann er noch zweimal kandidieren. Da eine Amtszeit sieben Jahre dauert, könnte er bis 2028 regieren.

Russland sprach sich unterdessen dagegen aus, den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wegen möglicher Kriegsverbrechen in Syrien anzurufen. Das sei "kontraproduktiv" und würde die Lage nur noch verschlimmern, erklärte das Außenministerium. Es reagierte auf eine entsprechende Petition von 57 Staaten, die am Montag übersandt worden war. Russland ist ebenso wie der Iran ein Verbündeter Syriens. In Teheran hielt sich derweil der syrische Ministerpräsident Wael al-Halaki zu Gesprächen mit der iranischen Führung auf.

Quizaction