Offene Stellen in zwei von drei Unternehmen: Der Ingenieurmangel im Maschinenbau verschärft sich

(Symbolbild) Im Maschinenbau fehlt es drastisch an Fachkräften, wie eine neue Umfrage zeigt.  - Copyright: picture alliance / Rupert Oberhäuser | Rupert Oberhäuser
(Symbolbild) Im Maschinenbau fehlt es drastisch an Fachkräften, wie eine neue Umfrage zeigt. - Copyright: picture alliance / Rupert Oberhäuser | Rupert Oberhäuser

Wer heute Ingenieurin oder Ingenieur werden möchte, hat gute Chancen – und das trotz hoher Energiepreise und Sorgen um die Konjunktur. Der Bedarf ist größer denn je, viele Unternehmen schaffen es jedoch nicht, offene Stellen zu besetzen. Und davon gibt es einige: So zeigt eine Ingenieurserhebung des Branchenverbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), die alle drei Jahre durchgeführt wird, dass derzeit etwa zwei von drei Unternehmen (67 Prozent) offene Stellen haben. Bei der letzten Erhebung 2019 war es noch etwa jeder zweite Maschinenbauer. In den kommenden Jahren dürfte der Bedarf weiter steigen.

Nur jedes dritte Unternehmen kann Stellen wie geplant besetzen

Der VDMA-Vizepräsident Henrik Schunk sagt: „Trotz vieler konjunktureller Unsicherheiten etwa im Zusammenhang mit den Energiepreisen ist der Bedarf an Ingenieurinnen immens“. Nur jedes dritte befragte Unternehmen kann offene Stellen demnach wie geplant besetzen. Besonders große Hürden sind der Arbeitskräftemangel und mangelnde Qualifikation. Jeder vierte Maschinenbauer gab an, keine Kräfte mit den benötigten Qualifikationen finden zu können.

Rund 60 Prozent der 519 befragten Unternehmen rechnet der Erhebung zufolge bis 2027 mit einer weiterwachsenden Beschäftigung von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Dies gilt vor allem für die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie die Konstruktion. „Auf längere Sicht liegt das Nachwuchsproblem bei den Maschinenbauern auf Platz eins der größten Herausforderungen. Das gilt nicht nur für Ingenieure, sondern auch für Facharbeiter“, sagte Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur.

„Die These von der Deindustrialisierung Deutschlands ist eine Mär“

Er sieht die Gründe für den Ingenieurmangel vor allem in der demografischen Entwicklung, dem Wettbewerb mit anderen Branchen um Hochschulabsolventen sowie im Wachstum des Maschinenbaus insgesamt. „Die These von der Deindustrialisierung Deutschlands ist eine Mär“, sagte Rauen.

Die exportorientierte deutsche Schlüsselindustrie ist nach eigenen Angaben mit mehr als einer Million Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber im Land. Der Anteil der Ingenieure hat nach einer Delle im Corona-Krisenjahr inzwischen wieder nahezu das Rekordniveau aus dem Jahr 2019 erreicht. Aktuell sind mehr als 180 000 Ingenieurinnen und Ingenieure in der Branche beschäftigt.

Bereits in der Schule für Technik begeistern

„Der Ingenieurberuf ist Teamwork, er ist international, sinnstiftend und gut bezahlt. Es ist ein attraktives Berufsbild“, warb Rauen. Und weiter: „Der Maschinenbau steht im Zentrum des Transformationsprozesses zur klimaneutralen Gesellschaft.“ Der VDMA wirbt dafür, bereits in der Schule für Technik zu begeistern. „Leider gibt es in den wenigsten Bundesländern Technik als eigenes Schulfach“, sagte Rauen. „Die Zuwanderung qualifizierter Kräfte ist ebenfalls ein Thema, wenn wir das Niveau als Technik-Nation halten wollen.“

Die Maschinenbauer selbst versuchen der Befragung zufolge mit Studien- oder Abschlussarbeiten, Praktika und Praxissemestern, dualen Studiengängen sowie Firmenbesichtigungen für Studierende, die Spezialisten frühzeitig für sich zu gewinnen.

Luft nach oben sieht Rauen bei der Gewinnung von Ingenieurinnen. Der Umfrage zufolge setzen 14 Prozent der Unternehmen spezifische Maßnahmen zur Erhöhung des Anteils weiblicher Kräfte um, zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, Teilzeit und Homeoffice. Der Frauenanteil unter den Ingenieuren im Maschinenbau liegt aktuell bei 11,3 Prozent. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als bei der Erhebung 2019.

dpa/lidi