Opposition in Venezuela setzt Proteste mit Schweigemärschen fort

Suche nach Essen aus geplündertem Supermarkt in Caracas

Mit einem "Schweigemarsch" will die Opposition in Venezuela ihre Proteste gegen Staatschef Nicolás Maduro am Samstag fortsetzen. Die Demonstrationen finden in einer äußert angespannten Lage statt. In der Nacht zum Freitag wurden in Caracas zwölf Menschen getötet, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der jüngsten Protestwelle gegen Maduro vor drei Wochen stieg damit auf insgesamt 20.

Schweigemärsche sollen im ganzen Land zu den Bischofssitzen führen. Polizei und Behörden sind nach tagelangen teils gewaltsamen Auseinandersetzungen in Alarmbereitschaft. Für Montag war eine "nationale Blockade" von Straßen geplant.

"Das Volk wird niemals müde", sagte der Präsident des von der Opposition dominierten Parlaments, Julio Borges, am Freitagabend dem TV-Sender CNN. "Es hat keine Angst und wird seine Freiheit erobern."

Von den zwölf zuletzt in Caracas getötet Menschen starben elf im Bezirk El Valle im Südwesten der Hauptstadt. Einige der Opfer in El Valle im Alter zwischen 17 und 45 Jahren erlitten den Angaben zufolge einen tödlichen Stromschlag, als sie eine Bäckerei plünderten. Andere wurden erschossen. Bei den Ausschreitungen gab es außerdem mindestens sechs Verletzte.

"Es war wie im Krieg", sagte der 33-jährige Augenzeuge Carlos Yanez der Nachrichtenagentur AFP. "Soldaten und Polizisten verschossen Tränengas, bewaffnete Zivilisten feuerten auf Gebäude." Er und seine Angehörigen hätten sich auf den Boden geworfen. "Es war schrecklich."

Auf Videos war zu sehen, wie Anwohner Flaschen und andere Wurfgeschosse aus dem Fenster auf die Bewaffneten schleuderten und dazu "Mörder" riefen. Auf der Straße warfen Angreifer Molotow-Cocktails auf ein Tränengasfahrzeug und setzten es in Brand.

Während der gewalttätigen Auseinandersetzungen in El Valle wurden 54 Säuglinge aus einer Geburtsstation in Sicherheit gebracht. Die Regierung beschuldigte "bewaffnete Banden der Opposition", das Gebäude angegriffen zu haben. Die Opposition erklärte, die Neugeborenen hätten vor dem Tränengaseinsatz geschützt werden müssen.

Im östlichen Bezirk Petare gab es einen weiteren Toten. Ein Mann wurde während einer Demonstration erschossen, wie der Bezirksbürgermeister Carlos Ocaríz über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Der oppositionelle Bürgermeister rief dazu auf, den Fall aufzuklären und die Schuldigen zu bestrafen. Die Opposition wirft der Regierung vor, Demonstranten gezielt von Milizen erschießen zu lassen. Die Regierung weist das zurück.

Die Opposition mobilisierte ihre Anhänger seit dem 1. April zu mehreren Großdemonstrationen gegen die Regierung, die immer wieder in Gewalt umschlugen. Anhänger Maduros gingen ihrerseits massenhaft auf die Straße. Auch bei den jüngsten Massenprotesten am Mittwoch und Donnerstag mit zehntausenden Teilnehmern gab es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Bis Donnerstag waren neun Tote zu beklagen, darunter ein Soldat. Seit Anfang April gab es außerdem 600 Festnahmen, wie die Nichtregierungsorganisation Foro Penal mitteilte.

Venezuela steckt seit Monaten in einer tiefen politischen Krise. Konservative und rechtsgerichtete Regierungsgegner machen Maduro für die schwere Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land verantwortlich. Sie kämpfen für eine Volksabstimmung über seine Amtsenthebung.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, rief die Opposition für Samstag zu landesweiten "Schweigemärschen" zu den Bischofssitzen auf. Für Montag plant sie Straßenblockaden im ganzen Land.

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