“Orthosomnie”: Die neueste Schlafstörung, die viele plagt

Style International Redaktion
·Lesedauer: 4 Min.

Menschen haben 2020 viel durchmachen müssen und das zeigt sich auch in unseren Schlafmustern. Sorgen wegen der Pandemie, finanzieller Stress und die plötzlichen Veränderungen haben unserer normalen Lebensweise und unserer Gewohnheiten geändert. Kein Wunder also, dass wir Schwierigkeiten haben, erholsamen Schlaf zu finden.

Schlaflosigkeit kann körperlich und psychisch stark belasten. (Bild: Getty)
Schlaflosigkeit kann körperlich und psychisch stark belasten. (Bild: Getty)

Online-Suchanfragen mit der Frage „Warum kann ich nicht schlafen?“ waren in Australien zeitweise auf 86 % im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Bei der Frage „Wie kann ich schnell einschlafen“ gab es laut Daten der Content-Marketing-Plattform SEMrush einen Anstieg um 85 %.

Und während viele von uns versucht sind, zu Medikamenten zu greifen oder sich einfach mit müden Augen durch den Tag kämpfen, warnen Gesundheitsexperten davor, dass chronischer, andauernder Schlafentzug zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen kann.

Corona-Träume: Wie die Pandemie im Schlaf beschäftigt

„Viele unabhängige Studien auf der ganzen Welt zeigen, dass Schlaf wichtig für ein funktionierendes Immunsystem ist“, so Dr. Verena Senn - Neurowissenschaftlerin und Leiterin des Bereichs Schlafforschung bei der Matratzenfirma „Emma“ – gegenüber Yahoo Lifestyle.

„Schlaf ist sehr wichtig für unsere Gesundheit und für unsere Abwehrkräfte gegen Viren. Wenn du nicht genug Schlaf bekommst, bist du sehr viel anfälliger für Krankheiten und Infektionen.“

Da viele Menschen von zu Hause aus oder gar nicht mehr arbeiten, gibt es keine gewohnte Routine mehr. Das macht es umso verlockender, etwas länger als gewöhnlich aufzubleiben.

„Recherchen von Emma haben gezeigt, dass zwei Drittel der Australier Probleme mit dem Schlafen haben. Sie nennen Gründe wie die Unfähigkeit zu entspannen, finanzielle Nöte oder Schwierigkeiten, nach dem Arbeitstag abzuschalten“, sagt Dr. Senn.

Aber nur ein paar Stunden können einen riesigen Unterschied machen.

„Aktuelle Studien haben gezeigt, dass bei Testpersonen, die nur vier anstatt acht Stunden schliefen, das Verhältnis der weißen Blutkörperchen (natürliche Killerzellen) um 70 % gesunken war“, erklärt sie.

Fernseher aus, Laptop zu

„Das solltest du dir merken für das nächste Mal, wenn du aufbleibst, um noch eine Folge deiner Lieblingsserie zu sehen oder noch etwas mehr Arbeit zu erledigen.“

Wenn deine Gesundheit und dein Wohlbefunden noch nicht Grund genug sind, deine Schlafhygiene auf Vordermann zu bringen, denke an dein Gesicht!

„Schlaf ist zusätzlich der wichtigste Aspekt deiner Schönheitspflege, denn er schützt vor vorzeitiger Hautalterung“, erklärt Dr. Senn.

„Wenn wir schlafen, erholen sich unsere Körper. Der Blutzufluss in die Haut wird verstärkt und das Organ baut neues Collagen auf und repariert UV-Schäden. Dadurch werden Falten und Altersflecken verringert. Wenn du in der Nacht nicht genügend Schlaf bekommst, gibst du auch deinem Körper weniger Zeit, sich zu regenerieren.“

Es gibt einen Grund dafür, dass wir von „Schönheitsschlaf“ reden! Foto: Getty
Es gibt einen Grund dafür, dass wir von „Schönheitsschlaf“ reden! Foto: Getty

Dr. Senn hat einige einfache Tipps, wie du wieder zu gutem Schlaf finden kannst.

„Meditation und beruhigende Musik hat nachweislich eine entspannende Wirkung. Man schläft leichter ein und schläft besser durch“, sagt sie.

„Meiner Meinung nach ist es am wichtigsten, dass man nicht mehr bewusst darüber nachdenkt, jetzt einschlafen zu müssen.“

„Schlaf-Apps schaffen Bewusstsein über dein Schlafverhalten. Auch wenn sie nicht 100 % genau sind, geben sie dir doch einen Eindruck, wie viel du schläfst. Je mehr du über die gesunde Wirkung von Schlaf weißt, desto eher wirst du Schlaf priorisieren und so auch die Schlafqualität verbessern.“

Ein neues Problem: Orthosomnie

Versuche aber nicht zu besessen davon zu sein, die richtige Zahl in deiner App zu sehen. Dadurch kannst du nämlich wieder ein neues Problem schaffen.

„Schlaf-Apps verraten dir auch mehr zu deinem persönlichen Schlafverhalten und erkennen schlechte Verhaltensweisen“, sagt sie.

„Allerdings haben wir mit Orthosomie ein neues Problem. Dabei sind Menschen so besessen von ihrem Schlaf, dass sie dadurch schlechter schlafen. Darüber sollten sich die Leute bewusst sein, wenn sie sich auf Schlaf-Apps verlassen.

Dauermüde im Winter: Diese 3 Tipps helfen wirklich gegen dunkle Augenringe

„Ich empfehle, zuallererst die Lebensweise und Verhaltensweisen zu ändern. Das kann nämlich nachhaltig zu gesundem Schlafverhalten beitragen, ohne dass du von einem Gerät oder einer App abhängig wirst.

„Es gibt einige recht simple Dinge, die deinen Schlaf verbessern können. Zum Beispiel solltest du abends dein Handy weglegen, da die blaue Strahlung deinen Schlafrhythmus durcheinanderbringen kann.“

Und natürlich sollte der Ort, an dem du schläfst, für guten Schlaf förderlich sein.

„Sorge dafür, dass du eine gute Schlaf-Infrastruktur hast. So hast du die beste Aussicht auf guten Schlaf“, so Dr. Senn.

„Dazu gehören eine Matratze und Bettzeug von guter Qualität."

Aletha Wilkinson

VIDEO: Besser schlafen mit einem Partner an der Seite?