Oscars ohne Monolog: Das denken die Zuschauer

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.
Regina King durfte die 93. Oscar-Verleihung eröffnen, ganz ohne klassischen Monolog. (Bild: Wawrychuk/A.M.P.A.S. via Getty Images)
Regina King durfte die 93. Oscar-Verleihung eröffnen, ganz ohne klassischen Monolog. (Bild: Wawrychuk/A.M.P.A.S. via Getty Images)

Vieles war besonders an dieser Oscar-Verleihung, die von mehreren Orten der Welt übertragen wurde. Unter anderem gab es keinen Monolog zum Auftakt, was von den Zuschauern gemischt aufgenommen wurde.

Schon seit einigen Jahren hat sich das Format der Oscar-Verleihung verändert. Der traditionelle Gastgeber, der durch den Abend führt und den Eingangsmonolog hält, ist nicht mehr gefragt. Doch in den vergangenen Jahren gab es den klassischen Einstieg, der die Nominierten vorstellt und sich mit Witzen und Gimmicks über die Anwesenden lustig macht, in anderen Formen. 2020 durften Chris Rock und Steve Martin den Gag-reichen Einstieg übernehmen, im Jahr davor waren es mit Tina Fey, Maya Rudolph und Amy Poehler sogar drei Comedians, die sich den Auftakt-Monolog teilten.  

Doch Regisseur Steven Soderbergh, ("Traffic", Oceans 11") der in diesem Jahr für die Zeremonie verantwortlich war, hatte einen anderen Ansatz. Der Einstieg in den Abend begann mit einer langen filmähnlichen Einstellung auf Schauspielerin Regina King, die als erste Anmoderatorin agieren sollte. Die Oscar-Gewinnerin von 2019 ("If Beale Street could talk") trat in einem fantastischen blauen Kleid und völlig ohne vorgeschriebene Witze auf. 

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Politik zum Auftakt

Stattdessen nutzte die Schauspielerin ihren Auftritt für eine politische Botschaft. Sie erwähnte zum Auftakt den kürzlich zu Ende gegangenen Prozess gegen den Polizisten Derek Chauvin, der George Floyd umgebracht hatte. Mit einer politischen Botschaft setzte sie den Ton für den Abend: "Wären die Dinge in Minneapolis anders gelaufen, hätte ich heute Kampfstiefel statt High-Heels an," sagte King mit Bezug auf den Schuldspruch gegen Chauvin. Sie wandte sich direkt an die Zuschauer mit den Worten: "Ich weiß, dass viele von Ihnen zuhause am liebsten sofort nach der Fernbedienung greifen wollen, wenn sie das Gefühl haben, dass Hollywood sie belehren will." Aber als schwarze Mutter kenne sie die Angst mit der so viele leben müssten. "Kein Grad an Ruhm und Reichtum kann dies ändern," schloss King ihre kurze Rede ab. Danach ging sie direkt zu den Nominierten für das beste Drehbuch über.

"Wo sind die schlechten Witze?"

Während manche Zuschauer das neue schnörkellose Format schätzten, waren andere eher negativ überrascht. Auf den Sozialen Medien drückte sich die geteilte Meinung der Zuschauer in den Kommentaren zur Oscar-Verleihung aus. "Ich warte noch auf den Monolog und plötzlich gewinnt Emerald Fenell schon einen Oscar,"schrieb eine verdutzte Userin. Fennell bekam für ihr Drehbuch zu "Promising Young Woman" den ersten Preis des Abends. Was denn bloß mit dem Eröffnungsmonolog geschehen sei, fragte sich eine andere Userin und vermutete eine neue Ernsthaftigkeit: "Haben sie den Teil weggelassen, weil wir uns 2021 nicht mal mehr über jemanden lustig machen dürfen?" Mancher sehnte sich aber auch nach den Zeiten eines scharfzüngigen Moderators und postete einfach noch einmal Ricky Gervais' denkwürdigen Monolog von den Golden Globes im vergangenen Jahr, unter anderem der Comedian selbst, der dazu schrieb: "Heute Nacht sind die Oscars. Ich war nicht eingeladen. Liegt es an etwas, das ich gesagt habe?"

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Andere Zuschauer fanden den Auftritt den Zeiten angemessen. Ein User schrieb: "Regina King ist in vielen Dingen sehr wundervoll. Aber was ich am meisten an ihr liebe, ist ihre große Aufrichtigkeit." Und ein User fragte sarkastisch, wo denn die schlechten Witze und peinlichen Reden blieben. Darauf konnten offensichtlich viele Zuschauer gut verzichten und begrüßten das neue Oscar-Format: "Der Fakt, dass wir es nicht mit einem kitschigen, schlecht geschriebenen Monolog zu tun haben (bitte hier beliebigen Talk Show Host einfügen) is SO erfrischend,"kommentierte ein User auf Twitter. "Ich liebe es, dass die Oscars gesagt habe, 'vergiss den Monolog, das Ding hier geht es zu lange, wir fangen einfach an, die Gewinner zu verlesen," fügte ein anderer User hinzu. 

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