Oxfam: Sieben Millionen Menschen im Jemen von Hungersnot bedroht

Unterernährter jemenitischer Junge in Sanaa

Angesichts der anhaltenden Kämpfe im Jemen hat die Hilfsorganisation Oxfam vor einer drohenden Hungersnot in dem Land gewarnt. Zwei Jahre nach der Eskalation des Konflikts "leiden fast sieben Millionen Menschen extreme Not und sind von Hunger bedroht", erklärte die Organisation anlässlich eines am Donnerstag veröffentlichten Berichts zur Lage im Jemen. Mehr als zehn Millionen weitere Menschen seien von Nahrungsmangel bedroht und benötigen dringend humanitäre Hilfe.

Die jemenitische Wirtschaft liege am Boden, dringend benötigte Nahrungsmittelimporte würden erschwert und der Hilfsaufruf der UNO sei "dramatisch unterfinanziert", heißt es in dem Bericht mit dem Titel "Yemen pushed towards man-made famine" (etwa: Jemen wird in eine von Menschen verschuldete Hungersnot getrieben). Die UNO habe den Bedarf für Nothilfe im Jemen auf 2,1 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) beziffert, doch nur sieben Prozent davon seien derzeit durch Finanzierungszusagen der Geberländer gedeckt. "Die katastrophale Versorgungslage wird von den Konfliktparteien und ihren Unterstützern bisher weitgehend ignoriert", kritisierte Oxfam. Die Organisation sprach von der derzeit "weltweit größten humanitären Krise".

Oxfam forderte die Konfliktparteien auf, die Kämpfe zu beenden. Die durch Luftangriffe verursachten Zerstörungen von Häfen, Straßen, Brücken, Lagerhallen und Märkten wirkten sich dramatisch auf die Nahrungsmittelversorgung aus. Denn Jemen müsse rund 90 Prozent seiner Nahrungsmittel importieren. Zudem behinderten Behörden internationale Hilfslieferungen.

Die Kämpfe hätten sich "trotz aller Warnungen nach Abbruch der Friedensverhandlungen im August 2016 verschärft und weitere drei Millionen Zivilisten vom sicheren Zugang zu Nahrung abgeschnitten", warnte Oxfam. Die internationalen Gemeinschaft müsse alle Waffenlieferungen in den Jemen stoppen, forderte Oxfam.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte die USA und Großbritannien für Lieferungen von Waffen an Saudi-Arabien, die im Konflikt im Jemen eingesetzt würden. Beide Länder hätten Riad seit der Ausweitung des militärischen Konflikts im Jemen im Jahr 2015 Waffen im Wert von insgesamt 4,6 Milliarden Euro verkauft.

Die Summe übersteige die humanitäre Hilfe beider Länder für den Jemen im selben Zeitraum um das Zehnfache, erklärte Amnesty. Das sei ein beschämender Widerspruch". Die Regierungen in London und Washington genehmigten weiter Waffenlieferungen, während sie zur selben Zeit Hilfen gewährten, um die mit erzeugte Krise im Jemen "abzumildern".

Im Jemen kämpfen seit September 2014 Truppen des sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi gegen schiitische Huthi-Rebellen und andere Milizen, die dem vorherigen Staatschef Ali Abdallah Saleh die Treue halten. Seit März 2015 fliegt ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis Luftangriffe gegen die Rebellen und unterstützt damit die Hadi-Truppen. In dem Konflikt wurden nach UN-Angaben bereits fast 7700 Menschen getötet und mehr als 42.000 weitere verletzt.

+++ Der Oxfam-Bericht im Internet unter https://oxfam.box.com/s/zjtda4kjk3z6hgnefsqsfvr51gatdfsj +++

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