Palästinensischer Chefunterhändler Erakat nach Corona-Infektion gestorben

Hiba ASLAN
·Lesedauer: 2 Min.
Der damalige Außenminister Steinmeier mit Erakat 2006

Palästinensischer Chefunterhändler Erakat nach Corona-Infektion gestorben

Der damalige Außenminister Steinmeier mit Erakat 2006

Er arbeitete jahrzehntelang für eine Friedenslösung zwischen Palästinensern und Israelis - die Verwirklichung seines Ziels durfte er nicht mehr erleben: der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat ist am Dienstag im Alter von 65 Jahren nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Erakats Tod löste in seiner Heimat und in aller Welt Bestürzung und Anteilnahme aus. 

Über Jahrzehnte war Erakat eine Schlüsselfigur in der palästinensischen Politik. Seit 1991 war er Mitglied in beinahe jedem palästinensischen Verhandlungsteam mit Israel und diskutierte mit den Mächtigen der Welt. Er gehörte zu den palästinensischen Politikern, die an eine friedliche Lösung im Nahostkonflikt glaubten statt an Krieg und Gewalt. 

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erklärte, mit Erakat sei ein "Bruder und Freund, ein großer Kämpfer" gegangen und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. "Wir sind tief betrübt. (...) Palästina fehlt jetzt ein patriotischer Führer, ein großer Kämpfer, der eine entscheidende Rolle beim Hissen der palästinensischen Flagge gespielt hat", fügte Abbas hinzu und verwies auf Erakats Verdienste bei den Verhandlungen mit Israel. 

Auch aus Israel kamen Beileidsbekundungen. Die ehemalige Außenministerin Zipi Livni schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, Erakat habe häufig über sich gesagt, es sei seine "Betimmung", Frieden zu erreichen. Er habe sein Leben "seinem Volk gewidmet".

Die Bundesregierung würdigte Erakats Lebensleistung ebenfalls. Das Auswärtige Amt bezeichnete ihn als "Verfechter der palästinensischen Selbstbestimmung", der trotz kontroverser Debatten immer auf Verhandlungen mit Israel gesetzt habe. Erakat habe sich "über Jahrzehnte als Chefunterhändler der Palästinenser große Verdienste um den Nahostfriedensprozess erworben". 

Ähnliche Worte kamen vom UN-Nahost-Beauftragten Nikolaj Mladenow, der Erakat als jemanden charakterisierte, der "den Verhandlungsweg nie aufgab" und "stolz" sein Volk vertat. Hamas-Anführer Ismail Hanijeh kondolierte den "Brüdern" von der Fatah-Bewegung im Namen seiner radikalislamischen Gruppierung.

Erakat wurde im Jahr 1955 in Jerusalem geboren. Als Jugendlicher erlebte er den Sechstagekrieg, bei dem Israel unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem einnahm. Er arbeitete als Journalist in Jerusalem, studierte Politikwissenschaften in San Francisco und promovierte im Fach Friedensforschung. Später wurde Erakat enger Vertrauter des Chefs der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Jassir Arafat, und seines Nachfolgers Mahmud Abbas.

In seinen Positionen als Chefunterhändler und Generalsekretär der PLO galt Erakat als erster Ansprechpartner für ausländische Gesandte und internationale Medien. In jüngster Zeit hatte er die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Golfstaaten ohne vorherige Beilegung des Nahost-Konfliktes kritisiert. Dies mache eine Zweistaatenlösung unmöglich, stärke "Extremisten" stärken und untergrabe die die Chancen auf eiinen Frieden.

Erakat war Mitte Oktober mit einer Covid-19-Erkrankung ins Jerusalemer Hadassah-Krankenhaus eingeliefert worden. Drei Jahre zuvor war bei ihm eine Lungentransplantation vorgenommen worden, weshalb er als Risikopatient galt.

sip/gt