Vom Home Office auf die Couch: So ungesund ist ganztägiges Sitzen

Marie Claire Dorking
·Lesedauer: 4 Min.

So angenehm und bequem das Home Office des vergangenen Jahres für viele war, hat es doch einen großen Nachteil: Wir bewegen uns immer weniger.

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Ein Jahr des Arbeitens im Homeoffice hat die Auswirkungen des zu langen Sitzens verschlimmert. (Bild: Getty Images)

Die meiste Zeit des letzten Jahres von zu Hause aus zu arbeiten, verschaffte uns ein paar unerwartete Vorteile: Die Einen mussten morgens nicht mehr eng gedrängt neben schwitzenden Fahrgästen zur Arbeit pendeln und Andere mussten sich für eine schnelle Zwischenmahlzeit nur noch bis zum Kühlschrank bewegen. Doch gibt es einen Aspekt des Homeoffice, der sich eher negativ auf unsere Gesundheit ausgewirkt hat: 

Wir hatten immer weniger Gründe vom Schreibtisch aufzustehen (der für viele von uns auch unser Esstisch war), so dass wir für immer längere Zeitspannen an unsere Schreibtischstühle gefesselt waren.

Konzentrationsschwäche dank Pandemie: das kannst du dagegen tun

"Überall auf der Welt haben Covid-19-Lockdowns die körperliche Betätigung reduziert und die sitzende Lebensweise bei einem großen Teil der Bevölkerung verstärkt“, erklärt Dr. Tom Micklewright, stellvertretender ärztlicher Direktor bei Push Doctor (Plattform für ärztliche Online-Sprechstunden in GB). 

"Weltweit wurden Fitnessstudios und Freizeiteinrichtungen geschlossen, aber auch tägliche Möglichkeiten für leichte Bewegung sind verloren gegangen. Viele Leute hörten auf zur Arbeit zu pendeln, shoppen zu gehen und Freunde und Familie zu treffen. Da uns geraten wurde zu Hause zu bleiben, hatten wir alle nur sehr wenige Gelegenheiten, uns während der Pandemie zu bewegen."

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Das Sitzen über einen längeren Zeitraum kann bestehende Probleme verschlimmern. (Bild: Getty Images)

Immer längeres Sitzen kann starke Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben

"Es wird angenommen, dass insbesondere längeres Sitzen die Art und Weise beeinträchtigt, wie wir Zucker und Fette verstoffwechseln, einfach weil wir weniger Muskeln nutzen als im Stehen“, so Dr. Micklewright weiter. Unsere Inaktivität kann auch zu Kreislaufschwäche führen, was in Verbindung mit unserem Hang zu Zwischenmahlzeiten bei häufigem Sitzen (besonders vor dem Fernseher) mit einer Reihe von Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht wird. "Hierzu gehören das Risiko von Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes und sogar einige Formen von Krebs", fügt Dr. Micklewright hinzu. 

Schlecht für Muskeln und Knochen

"Der Lockdown war für die meisten Menschen schwer und die körperlichen Auswirkungen dürfen nicht unterschätzt werden“, erklärt die Physiotherapeutin Sammy Margo. Sie gibt an, einen Anstieg der Zahl der Menschen mit Schmerzen des Bewegungsapparates beobachtet zu haben. "Das Arbeiten von zu Hause, zusammengesackt über dem Laptop oder auf dem Sofa lümmelnd, führte dazu, dass alte Verletzungen, Beschwerden und Schwachstellen schlimmer geworden und eine Reihe neuer hinzugekommen sind“, meint sie.  

Laut Margo seien Menschen dafür gebaut, aufrecht zu stehen, daher kann das Sitzen über längere Zeit negative Auswirkungen auf unsere Muskeln haben. "Langes und häufiges Sitzen (Inaktivität) über längere Zeiträume kann zur Schwächung und zum Verkümmern von Muskeln in Beinen, Gesäß, Hüften und Rücken führen", führt sie weiter aus. "Während diese Muskeln schwächer werden, können sie dich nicht mehr so unterstützen, wie sie sollten und du wirst anfälliger für Schmerzen und Verletzungen."

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Ganztägiges, tägliches Sitzen kann sich auf deine Gesundheit auswirken. (Bild: Getty Images)

Was können wir dagegen tun?

Laut Dr. Micklewright liegt der Schlüssel für die Bekämpfung der Folgen des zu langen Sitzens in der Steigerung deiner körperlichen Betätigung und der Reduzierung deiner sitzend verbrachten Zeit. "Es ist wichtig, beides zu tun", meint er. "Untersuchungen scheinen zu zeigen, dass körperliche Fitness zwar die negativen Auswirkungen des zu langen Sitzens mildert, sie jedoch nicht vollständig beseitigt." 

Dr. Micklewright gibt an, dass die Risiken deutlich zunehmen, wenn man mehr als sechs Stunden pro Tag sitzend verbringt. "Daher solltest du neben sportlicher Betätigung auch so viele Gelegenheiten wie möglich nutzen, um aufzustehen", rät er. "Telefoniere im Stehen. Mache nach dem Abendbrot einen Spaziergang, anstatt Fernsehen zu schauen. Plane "stehende Pausen" in deinen Arbeitsalltag ein. Versuche, wann immer du kannst, persönlich einkaufen zu gehen, anstatt online zu bestellen (sobald nicht-essentielle Geschäfte wieder öffnen). All diese Dinge helfen dabei, die Zeit, die du jeden Tag im Sitzen verbringst, zu reduzieren und deine körperliche Betätigung zu steigern."

Fünf Schritte für die Rückenschule im Homeoffice

  1. Dehnen
    Sanftes Dehnen, wenn auch nur für wenige Minuten am Tag, erhöht die Mobilität und hilft bei der Lockerung verspannter Muskeln. 

  2. Behandeln
    Heiße oder kalte entzündungshemmende Lokalbehandlungen anwenden, die dabei helfen den Blutfluss zum beschädigten Gewebe zu verbessern und den Heilungsprozess anzukurbeln.

  3. Sport
    Laufen, Radfahren und Schwimmen sind sanfte Sportarten mit geringer Belastung, die helfen, deine Muskeln und Gelenke zu mobilisieren.

  4. Körperhaltung
    Überprüfe deine Körperhaltung, insbesondere bei der Arbeit am Schreibtisch und beim Fernsehen, um unspezifische Schmerzen des unteren Rückens zu lindern und die Heilung zu fördern.

  5. Stärken
    Rumpf- und Rückenübungen stärken die Rückenmuskulatur und verhindern lokale Steifheit und Schmerzen.