Papst bekundet "Scham" über Ermordung slowakischer Juden im Zweiten Weltkrieg

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Papst Franziskus vor Holocaust-Mahnmal in Bratislava (AFP/Tiziana FABI)

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in der Slowakei "Scham" über die Ermordung von mehr als 100.000 jüdischen Slowaken im Zweiten Weltkrieg bekundet. Gottes Name sei immer wieder missbraucht worden, sagte Franziskus am Montag in Bratislava und verurteilte den "Wahnsinn des Hasses" im Zweiten Weltkrieg sowie den anhaltenden Antisemitismus.

Mit ernster Mine hörte das 84-jährige Oberhaupt der Katholiken den Schilderungen eines 1942 geborenen Holocaust-Überlebenden zu, der keine Erinnerung an seine ermordeten Eltern hat.

Die Begegnung fand in einem ehemaligen jüdischen Viertel der slowakischen Hauptstadt statt, wo einst eine große Synagoge stand, die 1969 von der damaligen kommunistischen Regierung zerstört wurde, um Platz für eine Brücke zu schaffen. "Hier, an dieser Stelle, wurde Gottes Name entehrt", sagte der Papst.

Auf dem Rybne-Platz wurde 1996 ein Mahnmal zu Ehren der 105.000 slowakischen Holocaust-Opfer errichtet. Die slowakische Regierung entschuldigte sich erst drei Tage vor dem Papst-Besuch offiziell für die Verbrechen unter Präsident Jozef Tiso, einem katholischen Priester, der im Zweiten Weltkrieg gegen Juden gerichtete Gesetze und die Deportation zehntausender Juden in die Konzentrationslager der Nazis genehmigte.

Nach dem Krieg wanderten die meisten Holocaust-Überlebenden aus, wer blieb, verschwieg seine jüdische Identität. Auch während des Kommunismus wurden Juden in der Slowakei verfolgt und wegen angeblicher Verbrechen inhaftiert. Die jüdische Gemeinde zählt heute nur rund 2000 Mitglieder. Vorurteile gegen Juden sind in dem mehrheitlich katholischen Land immer noch weit verbreitet.

ck/cp

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