Papst lädt Peres und Abbas überraschend nach Rom ein

Papst Franziskus hat Israels Staatschef Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas überraschend zu einem Friedensgebet in den Vatikan eingeladen. Die beiden sollten "gemeinsam mit mir ein intensives Gebet erheben und von Gott das Geschenk des Friedens erflehen", sagte Franziskus bei einer Freiluftmesse in Bethlehem. "Ich biete mein Haus im Vatikan an, um dieses Gebetstreffen zu beherbergen". Abbas nahm die Einladung an.

Bei der Messe mahnte der Papst eine Zwei-Staaten-Lösung an und geißelte die Ausbeutung von Kindern. Im Vorfeld des Papst-Besuch nahm die Polizei 26 Menschen fest.

Alle ersehnten den Frieden, sagte der Papst in der überraschenden Einladung weiter. "Viele Menschen bauen ihn täglich mit kleinen Gesten auf; viele leiden und nehmen geduldig die Mühe auf sich, immer wieder zu versuchen, Frieden zu schaffen." Und alle, "besonders diejenigen, die in den Dienst ihres eigenen Volkes gestellt sind", hätten die Pflicht, "uns zu Werkzeugen und Urhebern des Friedens zu machen, vor allem im Gebet", mahnte Franziskus.

Franziskus hielt zudem ein leidenschaftliches Plädoyer für Kinderrechte. In seiner Predigt mahnte er, dass noch immer "viel zu viele Kinder unter unmenschlichen Bedingungen am Rande der Gesellschaft leben". Minderjährige würden ausgebeutet, misshandelt und versklavt, manche ertränken als Flüchtlinge im Mittelmeer oder würden zu Opfern von Menschenhändlern. "Für alles das schämen wir uns vor Gott", sagte der Papst.

Abbas habe dem Papst zugesagt und werde am 6. Juni nach Rom reisen, erklärte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat am Sonntag in Ramallah. Peres' Sprecher sagte, der israelische Präsident habe die Einladung begrüßt, ein Zusage sei bislang aber nicht gemacht worden. Die Amtszeit von Peres endet Ende Juni.

Wie Polizeisprecher Micky Rosenfeld mitteilte, hatten sich die jüdischen Extremisten in der Nacht auf dem Zionsberg in Jerusalem versammelt und Sicherheitskräfte mit Steinen und Flaschen beworfen. Dabei seien zwei Polizisten leicht verletzt worden. Unter den Festgenommenen war demnach auch ein Soldat, der einen Polizisten mit seiner Waffe bedroht hatte. Laut einem Bericht des Armeeradios demonstrierten insgesamt rund 150 Menschen auf dem Zionsberg.

Auf dem Berg außerhalb der Jerusalemer Altstadt befindet sich eine religiöse Stätte, die von Christen, Juden und Muslimen verehrt wird. Die Christen glauben, dass Jesus an diesem Ort das Abschiedsmahl mit seinen Jüngern einnahm, auf die hier 50 Tage später der Heilige Geist niederkam. Die Juden beten dort am vermuteten Grab ihres biblischen Königs David. Die Muslime errichteten an dieser Stätte im 16. Jahrhundert eine Moschee zu Ehren Davids, den sie als Propheten achten.

Papst Franziskus wird das Bauwerk am Montag besuchen. Im sogenannten Abendmahlsaal, der das erste Stockwerk einnimmt, wird er zum Abschluss seiner Reise ins Heilige Land eine Messe feiern. Fanatische nationalreligiöse Juden hatten vor dem Papstbesuch den Widerstand gegen Pläne verstärkt, den Christen mehr Nutzungsmöglichkeiten zu gewähren. Bisher dürfen sie an ihrer zweitheiligsten Stätte nach der Grabeskirche nur am Gründonnerstag und Pfingstsonntag Liturgien feiern.

Der Papst war am Morgen in Bethlehem eingetroffen. Er landete mit einem jordanischen Militärhubschrauber in der Stadt im besetzten Westjordanland. Am zweiten Tag seiner Reise ins Biblische Land besucht Franziskus die Stätten, an denen gläubige Christen Geburt, Tod und Auferstehung von Jesus gedenken. In Bethlehem trifft er die Palästinenserführung und feiert eine Messe unter freiem Himmel auf dem Krippenplatz, bevor er zurückgezogen in der Geburtsgrotte betet. Einen politischen Höhepunkt seiner dreitägigen Nahostreise bildet die anschließende Begegnung mit hundert palästinensischen Flüchtlingskindern, deren Sorgen Franziskus anhören will.

In Bethlehem forderte der Papst eine Zwei-Staaten-Lösung. Es sei an der Zeit, der Situation, die "immer unerträglicher" werde, ein Ende zu setzen, sagte der Papst bei einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in der Stadt im Westjordanland. Alle Beteiligten müssten den "Mut" zum Frieden aufbringen, der auf dem Recht zweier Staaten beruhen müsse, "in Frieden und Sicherheit und innerhalb international anerkannter Grenzen zu existieren und zu leben", sagte der Papst.

mid/jvo/ki

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