Papst Franziskus fordert solidarische Verteilung der Corona-Impfstoffe

Alexandria SAGE
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Papst Franziskus

Millionen Christen auf der ganzen Welt haben am Sonntag das Osterfest im zweiten Jahr in Folge im Zeichen der Corona-Pandemie gefeiert: Papst Franziskus forderte in seiner Osterbotschaft eine solidarische Verteilung der Corona-Impfstoffe und rief die Menschen zur Hoffnung auf. In seiner Ansprache im Petersdom in Rom am Ostersonntag appellierte er an die internationale Gemeinschaft, "in gemeinsamer Anstrengung die Verzögerungen bei der Impfstoffversorgung zu überwinden und eine solidarische Verteilung, speziell mit den ärmsten Ländern, zu fördern".

Das Oberhaupt der 1,3 Milliarden Katholiken weltweit legte den Fokus seiner Osterbotschaft auf die Schwächsten in der Welt: die Kranken, die Migranten, Menschen in wirtschaftlicher Not und in Kriegsgebieten. "Die Pandemie ist immer noch in vollem Gange; die soziale und wirtschaftliche Krise ist sehr schwer, besonders für die Ärmsten", sagte der 84-Jährige vor rund hundert Menschen im Petersdom, bevor er den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis") spendete.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Argentinier die reichen Nationen in einer Rede vor der UN-Vollversammlung vor dem Horten von Impfstoffen gewarnt. In vielen reichen Staaten nehmen die Impfkampagnen derzeit an Fahrt auf, während die ärmeren Länder zurückbleiben.

In Jerusalem wurden die Corona-Beschränkungen dank der erfolgreichen israelischen Impfkampagne teilweise aufgehoben. So konnte auch die Ostermesse in der Grabeskirche gefeiert werden. Die Kirche ist an der Stelle errichtet, an der Jesus nach christlichem Glauben gekreuzigt und begraben wurde. Touristen ist die Einreise nach Israel wegen der Corona-Pandemie jedoch noch immer weitgehend versperrt. Normalerweise strömen an Ostern tausende Pilger zu den heiligen Stätten in Jerusalem.

Der Papst rief in seiner Osterbotschaft auch zu einem Ende der Gewalt in Syrien, Libyen sowie im Jemen auf und verurteilte die anhaltenden bewaffneten Konflikte weltweit als "skandalös". Das "Getöse der Waffen im geliebten und gemarterten Syrien" müsse endlich aufhören, erklärte der Papst. Millionen Menschen lebten dort bereits unter unmenschlichen Bedingungen. Auch die Gewalt im Jemen, "dessen Ereignisse von einem ohrenbetäubenden und skandalösen Schweigen umhüllt sind", müsse enden.

Der Pontifex äußerte auch seine Unterstützung für die Menschen in Myanmar, "die sich für die Demokratie starkmachen und sich friedlich Gehör verschaffen". In Myanmar sind seit dem Militärputsch Anfang Februar täglich zahlreiche pro-demokratische Demonstranten auf die Straße gegangen.

Zudem rief das Kirchenoberhaupt zum Dialog zwischen Israelis und Palästinensern auf und forderte ein Ende der Gewalt in Afrika - unter anderem in Nigeria, der Sahelzone, der äthiopischen Region Tigray und der Provinz Cabo Delgado in Mosambik. "Es gibt immer noch zu viele Kriege und zu viel Gewalt auf der Welt", sagte Franziskus am wichtigsten Feiertag der Katholiken.

Im Gottesdienst zur Osternacht hatte der Papst zuvor eine Botschaft der Hoffnung an die katholischen Gläubigen in der Welt gesandt. "Es ist immer möglich, neu anzufangen, weil es ein neues Leben gibt, das Gott in uns neu beginnen lassen kann, jenseits von all unserem Scheitern", sagte das Kirchenoberhaupt. "Aus den Trümmern unserer Herzen kann Gott ein Kunstwerk schaffen; aus den zerstörten Relikten unserer Menschlichkeit kann Gott eine neue Geschichte vorbereiten."

noe/jes