Papst-Rücktritt stößt im Südwesten auf Respekt

Freiburg (dapd-bwb). Kirchenobere und Politiker haben den angekündigten Rückzug von Papst Benedikt XVI. am Montag in Baden-Württemberg mit großem Respekt aufgenommen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sagte: "Wir deutschen Bischöfe danken dem Heiligen Vater für seinen Dienst auf dem Stuhl Petri und sind erfüllt von großem Respekt und von Bewunderung für seine Entscheidung." Der Pontifex gebe aller Welt ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche.

Die Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz sind dem 85-Jährigen nach den Worten Zollitschs zutiefst dankbar für sein Wirken und sein unermüdliches Engagement. Der deutsche Papst werde nun das Ruder der Kirche weitergeben: "Er wird uns fehlen."

Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat den für 28. Februar angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. als einen ebenso überraschenden wie souveränen Schritt gewürdigt. Diese Entscheidung nötige tiefen Respekt ab, sagte der Bischof: "Ich wünsche dem Papst von ganzem Herzen, dass er sich nach dem Ablegen seiner schweren Amtsbürde ausruhen kann."

Ministerpräsident hätte sich vom Papst Reformen gewünscht

Der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July betonte: "Es braucht Mut, eine jahrhundertelange Tradition aufzugeben und einen solchen Schritt zu tun." Es zeige aber auch, welche Last die Leitung einer Weltkirche in den gegenwärtigen Strukturen der römisch-katholischen Kirche bedeutet. Landesbischof Ulrich Fischer von der badischen evangelischen Kirche hob hervor: "Dieser in der Neuzeit einmalige Schritt eines Papstes verdient Hochachtung." Die Vorgänger von Papst Benedikt XVI. hatten ihr Amt bis zum Tode ausgeübt.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht in dem Rücktritt von Joseph Ratzinger eine "historische Zäsur" für die katholische Kirche. Er habe hohen Respekt vor dem Papst wegen dieser "Entscheidung von großer Tragweite", sagte Kretschmann. Auch wenn er sich als Katholik "an verschiedenen Stellen" Reformen gewünscht hätte, so habe der Papst theologisch wichtige Akzente gesetzt, so beispielsweise in den Enzykliken zu Liebe und Hoffnung.

Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) sagte, Papst Benedikt XVI. habe mit Blick auf sein Amt eine bewundernswerte Entscheidung getroffen, die höchste Anerkennung verdiene. "Er ist und bleibt einer der tiefgründigsten Theologen unserer Kirche." Mit seinem Rücktritt wolle er Neubeginn und Aufbruch ermöglichen. "Das erhoffe ich mir und auch dafür danke ich ihm."

Laien beklagen "eher restaurativen Kurs" Benedikts XVI.

Auch nach Ansicht des Tübinger Theologen Hans Küng verdient Papst Benedikt XVI. für seine Rücktrittsentscheidung Respekt. Zu hoffen sei aber, dass Ratzinger nicht Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nehme, erklärte der Kirchenkritiker am Montag. "Es dürfte schwierig sein, in dem aufgrund der fatalen Personalpolitik der beiden letzten Päpste höchst konservativen Kardinalskollegium eine Person zu finden, die die Kirche aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen könnte."

Die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" hat dem Heiligen Vater ebenfalls Respekt für dessen Rücktritt gezollt. Der Sprecher der Organisation, Christian Weisner, sparte in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" (Dienstagausgabe) aber auch nicht mit Kritik an dem Pontifex: Benedikt müsse sich fragen, ob er wirklich genügend gegen die Polarisierung in der katholischen Kirche getan habe.

"Das viel zu lange Entgegenkommen gegenüber den Piusbrüdern und viele andere Dinge - etwa die Wiederzulassung der vorkonziliaren Messe - sind Zeichen dafür, dass Papst Benedikt die Kirche auf einen eher restaurativen Kurs geführt hat", führte Weisner an. Das habe viele Menschen enttäuscht, sie seien der Kirche verloren gegangen.

dapd

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