Paradoxe Studie zu Omega-3-Pillen - Wem Fischölkapseln helfen – und bei wem sie sogar Schlaganfälle verursachen könnten

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Omega-3-Fettsäuren sind essentiell für unsere Gesundheit. Deshalb nehmen manche Menschen Fischölkapseln ein, um genügend dieser Fettsäuren zu bekommen. Doch eine neue Studie sorgt nun für Aufsehen. Ernährungswissenschaftler Uwe Knop erklärt die neusten Erkenntnisse.

Was enthalten Fischölkapsel und warum werden sie eingenommen?

Fischölkapseln enthalten primär Omega-3-Fettsäuren. Dazu gehören vor allem Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diese essentiellen Fettsäuren kann der Körper nicht selbst in ausreichender Menge herstellen, weshalb wir sie mit der Nahrung zuführen müssen.

Manche meinen auch: Das reicht nicht, es müssen zusätzlich noch Kapseln geschluckt werden. Diese Nahrungsergänzungsmittel werden auch häufig zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen.

Reicht es nicht, einfach ab und zu fetten Fisch wie Lachs, Makrele und Hering zu essen?

Der regelmäßige Verzehr von fettem Fisch ist eine gute Quelle zur Omega-3-Versorgung. Der Gehalt variiert dabei jedoch stark zwischen verschiedenen Fischarten. Lachs, Makrele und der „gute alte“ Hering zählen zu den reichhaltigen Quellen, allerdings schwankt auch der Gehalt innerhalb der Arten.

Ob der Verzehr von fettem Fisch daher ausreicht, um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken, hängt von vielen verschiedenen individuellen Lebensstil-Faktoren ab. Bislang ist aber noch kein einziger Todesfall dadurch dokumentiert, dass Menschen in Deutschland an Herztod aufgrund eines Fischölmangels gestorben sind oder schwere Krankheiten entwickelt hätten und in Kliniken eingewiesen wurden.

Wer gesund ist und intuitiv isst, also beim Essen auf seinen Körper hört , der hat in „Schlaraffia Germania“ die besten Voraussetzungen, sich ausgewogen und ausreichend zu ernähren.

Was hat die aktuelle Studie gezeigt?

Die aktuelle Beobachtungsstudie , publiziert im renommierten Medizinfachmagazin „British Medical Journal“ (BMJ) untersuchte, ob und wie die Einnahme von Fischölkapseln mit der Entwicklung von Herzkreislauf-Erkrankungen zusammenhängt. Dabei beobachteten die Forscher nicht nur das Entstehen neuer Herzkrankheiten, sondern auch den Krankheitsverlauf von Menschen, die bereits Herzkreislaufprobleme haben.

Die Ergebnisse waren für die Fachwelt sehr überraschend: Bei Menschen ohne Herz - Vorerkrankungen scheinen Fischölkapseln das Risiko für erstmaliges Vorhofflimmern und den ersten Schlaganfall sogar zu erhöhen .

Für Patienten mit bestehenden Herzerkrankungen hingegen könnten Fischölkapseln den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen .

Die Wissenschaftler betonen jedoch (wie immer bei dieser Art Studien), dass man aufgrund der Daten keine generellen Empfehlungen zur Einnahme von Fischölkapseln ableiten könne. Sie empfehlen daher weitere Forschung. Denn: Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die nur Korrelationen liefert, können keine Schlussfolgerungen zur Kausalevidenz gezogen werden. Mehr zum „Kernproblem der Ernährungsforschung“ finden Sie hier.

Dann besser Vollkorn und Ballaststoffe zum Herzschutz essen?

Das wäre schön einfach. Aber auch dafür fehlen die Beweise. Wir können derzeit überhaupt nicht gesichert sagen, dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten die Ursache für Herztod sind oder diesem vorbeugen. Auch wenn die jüngste Märchenstunde der Uni Jena-PR suggeriert hat, „ Vollkornmangel erhöht Todesrisiko “ - das ist Quatsch.

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Geld gegen Kilos - das klappt nicht nur fettleibigen Männern. Auch Jugendliche mit Adipositas nehmen besser ab, wenn ihnen finanzielle Anreize geboten werden. Zu diesem Ergebnis kamen amerikanische Forscher in einer weiteren  Studie im JAMA .