Parallelwelt Shisha-Bar: Markus Lanz diskutierte über Kriminalität arabischer Großfamilien

Frank Brunner
Freier Autor
Moderator Markus Lanz (links) diskutiert mit Autor Sundermeyer. Foto: Screenshot ZDF

In seinen besten Sendungen bietet Markus Lanz gute Unterhaltung zu später Stunde – mit Gästen, denen er überraschende Aussagen entlockt. Die Sendung am Mittwochabend gehörte nicht dazu.

Zu Gast waren: Die Schauspielerin Christiane Paul, die irgendeinen ZDF-Samstagskrimi promoten wollte und der Moderator Thilo Mischke, der irgendeine ProSieben-Dokureihe promoten wollte. Außerdem der Autor Olaf Sundermeyer, der in diesem Jahr schon gefühlt einhundertmal bei Lanz gastierte und der eigentlich immer dieselben Sätze sagt, die nur selten die inhaltliche Tiefe von Polizeimeldungen übertreffen.

Sundermeyers Thema sind arabische Großfamilien, die angeblich ganze Stadtbezirke in Angst und Schrecken versetzen. Bei einer seiner letzten Recherchen erfuhr Sundermeyer, dass in einer Berliner Shisha-Bar der Kohlenmonoxidwert der Wasserpfeifen über dem zulässigen Grenzwert lag. Der Grund: Eine fehlende Abluftanlage. Großkriminalität stellt man sich irgendwie anders vor.

Eine weiterer Beleg für Sundermeyers These von der Anarchie auf Deutschlands Straßen ist ein Rap-Video, in dem das Mitglied einer arabischen Großfamilie reimt: „Bei uns sprechen Waffen, ihr seht uns vor Gericht, Staatsanwalt grüßt, er kennt mein Gesicht.“ Vielleicht sollte man Sundermeyer erklären, dass Rapmusik sehr viel Macho-Attitüde und Angeberei beinhaltet, echte Verbrecher ihre Verbrechen aber selten in Verse verpacken.

Richtig ist aber: Gerade in Berlin und besonders in Neukölln leben arabische und türkische Großfamilien, die den Sozialstaat ausnutzen und ihren Lebensunterhalt mit Drogenhandel , Raubüberfällen und anderen illegalen Geschäften bestreiten. Dass der Stadt dagegen vorgehen muss, bezweifelt niemand. Aber von Sundermeyer erfährt man nicht viel neues über diese Parallelwelt.

Bei Lanz sagte er: „Politiker haben sich lange nicht getraut, das Problem arabischer Großfamilien anzugehen.” Erst durch die Berichterstattung der Medien sei Druck auf die Verantwortlichen aufgebaut worden. Der Subtext: Ohne Sundermeyer würde niemand darüber sprechen. Sundermeyer berichtete, dass kriminelle Geschäfte vor allem in Shisha-Bars angebahnt würden. „Die machen ihre Geschäfte nicht im Wohnzimmer, weil da ist ja oft die Mutter oder die Ehefrau und vor denen will man ja nicht offenbaren, was man so treibt.”

Markus Lanz: „Es gibt in Deutschland keine No-Go-Areas.”

Einige Clanmitglieder seien „Hartz-IV-Empfänger, fahren aber im teuren AMG-Mercedes durch die Gegend. Meist seien die Karossen auf Freunde oder Familienangehörige zugelassen. So haben die Behörden keine Möglichkeit, die teuren Autos dem Vermögen der vermeintlich Bedürftigen zuzurechnen und zu beschlagnahmen. Insgesamt malte Sundermeyer ein düsteres Bild von Deutschland, was wohl auch daran liegt, dass sich Storys mit dramatischen Zuspitzungen besser verkaufen, als sachliche Analysen.

Selbst Moderator Markus Lanz, der für eine Reportage durch Deutschland gereist ist, wehrt sich gegen Übertreibungen. Lanz sagte: „Es gibt in Deutschland keine No-Go-Areas, man muss aufpassen, dass man nicht alarmistisch agiert.”

Martin Hikel, SPD-Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, sieht die Lage ebenfalls deutlich differenzierter als Sundermeyer. Vielleicht weil er nicht nur aus Sicht der Polizei auf Ereignisse schaut. Seit März 2018 regiert der 31-jährige Politiker Neukölln. Der Bezirk mit einem hohen Anteil an Bewohnern mit ausländischen Wurzeln wird oft als Problemviertel beschrieben. Hikel betonte: „Neukölln ist keine No-Go-Area, sondern eine Go-Area, was man daran sieht, wieviel Menschen nach Neukölln ziehen wollen, weshalb die Mieten steigen.”

SPD-Bezirksbürgermeister fordert: Vermögen krimineller Clans beschlagnahmen

Der Bezirksbürgermeister sagte: „Es gibt Clankriminalität, es gibt Rechtsextremismus und eine sich als links bezeichnende Gruppe, die sich ‚Jugendwiderstand‘ nennt” Er verschweige Probleme nicht. Ursachen für die Kriminalität arabischer Großfamilien sei unter anderem die fehlende Integration und dass man jahrelang weggeschaut habe. Letztere Aussage ist erstaunlich. War doch Hikels Vor-Vorgänger, Heinz Buschkowsky, ein Politiker, dem man eines nicht vorwerfen konnte: Probleme verschwiegen zu haben. Auch seine Vorgängerin Franziska Giffey, wie Hikel und Buschkowsky in der SPD, redete Klartext, wenn es um die Schattenseiten von Neukölln ging.

Nun ist die Analyse das eine. Am Ende Tages muss die Politik Lösungen finden, wie sie Kriminalität bekämpft. Martin Hikel glaubt: „Der einzige Weg ist, das Vermögen der Leute abzuschöpfen.” Sicher eine gute Idee. Ob das der einzige Weg ist, darf bezweifelt werden. Zumindest den Nachwuchs in den Großfamilien könnten eine gute Bildung und Schulabschlüsse zeigen, dass Geld nicht nur mit Drogenhandel, sondern auch mit ehrlicher Arbeit verdient werden kann.