Paris zu Mitwirkung an Untersuchung des Boeing-Absturzes im Iran bereit

Absturzstelle nahe Teheran

Die französische Regierung hat sich bereit erklärt, an der Untersuchung zur Ursache des Absturzes einer ukrainischen Passagiermaschine im Iran mitzuwirken. Frankreich könne zur erforderlichen technischen Expertise beitragen, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian am Freitag dem Rundfunksender RTL. Allerdings liege ihm bislang keine entsprechende Bitte der iranischen Regierung vor. Le Drian wollte keine Einschätzung dazu äußern, wodurch der Flugzeugabsturz mit 176 Toten verursacht worden sein könnte.

Vor einer Stellungnahme zur möglichen Ursache des Absturzes müsse "absolute Klarheit" über die Fakten bestehen, sagte Le Drian. Diese Aufklärung könne durch eine internationale Untersuchung erfolgen. Die iranische Regierung hat den Verdacht zurückgewiesen, eine iranische Rakete könne den Absturz der ukrainischen Boeing 737 am Mittwoch verursacht haben. Von konkreten Hinweisen auf einen Raketenbeschuss sprachen hingegen Kanadas Regierungschef Justin Trudeau und der britische Premierminister Boris Johnson. Die meisten Passagiere, die bei dem Absturz ums Leben kamen, stammten aus dem Iran und aus Kanada.

Es gibt nur wenige Länder, die über die technischen Möglichkeiten verfügen, die Daten aus den Flugschreibern einer abgestürzten Maschine zu untersuchen. Zu diesen Ländern zählen die USA, Frankreich und Deutschland. Der iranische Vize-Verkehrsminister Ali Abedsadeh sagte, im Iran und in der Ukraine bestünden Möglichkeiten, Informationen aus den Flugschreibern auszulesen. Wenn es allerdings um kompliziertere Untersuchungen gehe, könnten diese "in Frankreich oder anderen Ländern" vorgenommen werden.

In Teheran trafen am Donnerstag rund 50 ukrainische Experten ein, die sich an der Untersuchung des Absturzes beteiligen wollen. US-Präsident Donald Trump äußerte die Erwartung, dass die Flugschreiber früher oder später entweder an den Flugzeugbauer Boeing, möglicherweise aber auch an "Frankreich oder ein anderes Land" übergeben werden. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB teilte mit, sie habe vom Iran eine förmliche Unterrichtung über den Absturz nahe Teheran erhalten und werde mit einem Repräsentanten an der vom Iran geleiteten Untersuchung teilnehmen.