Parlamentswahl in Norwegen: Klimaschutz vs Erdöl-Milliarden

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In der reichen Öl-Nation Norwegen wird am Montag ein neues Parlament gewählt. Nach acht Jahren unter der konservativen Ministerpräsidentin Erna Solberg deuten die Umfragen auf einen Regierungswechsel hin - mit guten Chancen für die Sozialdemokraten und ihren Spitzenkandidaten Jonas Gahr Støre.

Die Sozialisten dürften aber auf mehrere Koalitionspartner angewiesen sein, zum Beispiel auf die Grünen. Der Klimawandel und seine Bekämpfung war im Wahlkampf eines der wichtigsten Themen. "Es wird für die Parteien eine Herausforderung sein, in diesem Bereich zusammenzukommen", meint der Politikwissenschaftler vom Norwegisches Institut für Sozialforschung Johannes Bergh.

Denn Norwegen ist der größte Erdölproduzent Westeuropas. Die Förderung des schwarzen Golds ist eine enorme Einnahmequelle für das Land und machte im vergangenen Jahr mehr als 10 Milliarden Euro aus.

"Ich denke, dass der Klimawandel ein Hauptthema bei der Regierungsbildung nach den Wahlen sein wird", sagt Johannes Bergh. "In der Öl- und Klimapolitik werden wir Veränderungen sehen, aber welche Art von Veränderungen das sein werden, ist schwer zu sagen, weil es von der Zusammensetzung der Regierung abhängen wird."

Norwegen verkauft sich bereits als der weltweit führender Verfechter von Elektroautos. Aber noch machen Erdöl und Gas die Hälfte aller exportierten Güter aus. Es wird also für jede Regierung eine Herausforderung werden, die Produktion fossiler Brennstoffe zu reduzieren.

Die Veröffentlichung des jüngsten Sonderberichts des Weltklimarates IPCC vor gut einem Monat hatte Parteien mit klarem Klimafokus Aufwind verliehen. Noch im Frühjahr 2020 stand Solberg gut da, weil sie das Land relativ gut durch die erste Phase der Corona-Pandemie gebracht hatte. Bis zur Wahl konnten ihre guten Zustimmungswerte aber nicht überdauern.

Stimmberechtigt sind knapp 3,9 Millionen Norwegerinnen und Norweger. Während Montag der offizielle Wahltag ist, war bereits am Sonntag in fast der Hälfte der norwegischen Gemeinden die Stimmabgabe möglich. Knapp 1,65 Millionen Wählerinnen und Wähler hatten auch schon davor Möglichkeiten zur Stimmabgabe genutzt. Das entspricht mehr als 42 Prozent aller Wahlberechtigten und ist ein Rekord bei einer norwegischen Parlamentswahl.

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