Patientenschützer: Corona-Behandlung nicht von Überlebenschancen abhängig machen

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Patient auf Intensivstation

Patientenschützer warnen davor, die Behandlung von Coronavirus-Patienten von deren Überlebenschancen abhängig zu machen. "Hierzulande gilt das Prinzip, dass dem kränkesten Patienten als erstes geholfen wird", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). Anders verhalte es sich bei der sogenannten Triage, "sie stellt das ethische Prinzip auf den Kopf".

Bei der Triage werde "erst demjenigen geholfen, dessen Überlebensaussichten besser sind", sagte Brysch. Unter Triage wird allgemein verstanden, wenn Ärzte entscheiden müssen, welche Patienten sie bei begrenzten medizinischen Kapazitäten bevorzugt behandeln. Bei Corona-Patienten müssten die Ärzte demnach entscheiden, wer zunächst an ein Beatmungsgerät angeschlossen wird und wer nicht.

Brysch betonte ferner, bislang müssten deutsche Mediziner die Triage nicht anwenden, da es "ausreichend medizinische Ressourcen für alle Schwerstkranken" gebe. Trotz der sehr unterschiedlichen regionalen Corona-Lage stünden in jedem Bundesland freie Intensivplätze zur Verfügung.

Die Corona-Lage sei zwar ernst - "aber Vorsicht vor Alarmismus“, sagte Brysch. Selbst wenn in einer Stadt die Intensivbetten komplett belegt seien, gebe es aktuell keinen Grund, Menschen unversorgt sterben zu lassen. Ein intensivmedizinischer Transport per Hubschrauber oder Rettungswagen müsse dies verhindern.

Auch der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, sieht die Kliniken in Deutschland derzeit weit von einer Triage-Situation entfernt. Noch gebe es Reserven, sagte er den Funke-Zeitungen. "Bis rein rechnerisch alle Kapazitäten aufgebraucht sind, müsste sich die Zahl der aktiven Infektionen verdoppeln."

dja