Organspendeskandal: Debatte um Transplantationszentren

Forderungen nach Schließung von Einrichtungen

Der Organspendeskandal am Universitätsklinikum Leipzig hat eine Debatte über die Zukunft der Transplantationszentren in Deutschland ausgelöst. Patientenschützer und Ärztevertreter sprachen sich für eine Reduzierung der bundesweit 47 Transplantationszentren aus, um die Kontrollen zu erleichtern. Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn zeigte sich im "Tagesspiegel" offen für solche Überlegungen.

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der "Bild"-Zeitung,noch in diesem Jahr sollte die Hälfte der Transplantationszentren geschlossen werden, um einen "schädlichen Wettbewerb" zu vermeiden. Organspende brauche "Offenheit und Vertrauen statt Profit und Eitelkeit". Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sagte dem Blatt, eine geringere Zahl von Transplantationszentren mache eine ständige Überprüfung einfacher und sorge dafür, dass "falsche ökonomische Anreize" keine Rolle spielten.

Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer (BÄK), Hans Lilie, hält dies für überlegenswert. "Im Kern ist eine Verringerung der Zentren eine richtige Forderung", sagte Lilie dem "Tagesspiegel". Transplantationsmedizin anzubieten sei auch eine "Frage der Wirtschaftlichkeit", da eine 24-Stunden-Bereitschaft notwendig sei.

Skeptisch äußerte sich Lilie dagegen zu der Forderung Spahns, Qualitätsstandards für die Zentren einzuführen. "Es ist schwierig, wie der Erfolg dokumentiert werden kann, da die Transplantierten entlassen und weiter am Wohnort ambulant behandelt werden", sagte er. Spahn hatte angeregt, Standards und Mindestmengen für Transplantationszentren festzulegen. Dadurch könnte sich die Zahl der Zentren verringern.

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Organstransplantation (DSO), Rainer Hess, äußerte sich zurückhaltend zu einer möglichen Schließung von Transplantationszentren. Zwar gebe es relativ viele Zentren, dies sei aber auf die Struktur der Krankenhäuser zurückzuführen. Möglicherweise bedürfe es einer besseren Abstimmung der Länder untereinander, "wie viel solcher Zentren wirklich sinnvoll sind", sagte Hess im Südwestrundfunk (SWR). Die Bundesländer haben die staatliche Aufsicht über die Transplantationszentren.

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Am Leipziger Transplantationszentrum waren in den vergangenen Jahren 38 Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben worden, was deren Position auf der Warteliste für eine Spenderleber verbesserte. Der Direktor der Transplantationsklinik sowie zwei Oberärzte wurden beurlaubt. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt. Erstmals waren im vergangenen Sommer in Göttingen und Regensburg Manipulationen bei Transplantationen bekanntgeworden. Auch in einer Münchner Klinik gab es Auffälligkeiten.

Nach Angaben der für die Organvermittlung zuständigen Stiftung Eurotransplant wurden 2012 mehr als zehn Prozent weniger Organe aus Deutschland gemeldet. Der medizinische Leiter von Eurotransplant, Axel Rahmel, sagte dem WDR, ein Zusammenhang mit den Organspende-Skandalen in Deutschland sei "sicher anzunehmen". Die Zahl der tatsächlichen Organverpflanzungen sei in Deutschland dennoch nur um vier Prozent von 2190 auf 2104 gesunken, weil andere Länder mehr Organe zur Verfügung stellten.





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