Peer Kriesel: Wenn alte BVG-Tickets plötzlich auf der Fashion Week landen

Peer Kriesel übermalt alte Berliner Fahrscheine. Das Motiv landete auf Stoff, daraus wurde eine Fashion-Week-Kollektion.

Seine "Mitbringsel" aus New York liegen platt auf dem Boden seines Ateliers, zwei Stadtpläne von Manhattan, abstrakt übermalt in Schwarz, Rot, Gold. Von den typischen Straßenfluchten des Big Apples ist allerdings kaum mehr etwas zu erkennen. Die Karten befinden sich in Phase eins, später wird Peer Kriesel nämlich die bunten Farbflächen noch mit einem feinen Stift überzeichnen. Mit hauchdünnen Strichen entsteht dann ein surreales, ephemeres Kriesel-Universum: ein wildes Gewimmel aus Masken, Fratzen, Händen, Armbinden mit dem Logo des Roten-Kreuzes, Kakteen, Nasen und anderen undefinierbaren Formen. Seine Fantasie scheint direkt in seine Zeichenhand zu fließen. Ein Hauch von Hieronymus Bosch liegt über diesen wilden Szenerien, heiter und heilig, böse und düster.

Peer Kriesel übermalt, was ihm in die Finger kommt: entwertete BVG-Tickets, alte Postkarten vom Flohmarkt, Kinokarten und aufwendig gestaltete Einladungskarten der Freunde der Nationalgalerie. Neulich hat er Polaroids ausprobiert, doch dort haftet die Farbe nicht so gut, erzählt er uns. Auch vor einem Fahrrad machte er nicht halt – auf dem weißen Gestell wimmelt es von schwarzen Strichmännchen-Gesichtern, "Fratzenteppiche" nennt es Kriesel. Das Rad hängt – wie ein Bild – an einem Haken an der Wand seines Schönebergers Ateliers. Die überlagerten Gesichter, sagt er, würden uns doch auch im täglichen Bilderfluss, bei Instagram oder in anderen Communities begleiten.

Bild Nr. 1:
Alice im Untergrund“, das Motiv stammt von einem Aquarell Peer Kriesels. Die Kollektion war 2016 auf der New Yorker Fashion Week zu sehen Ryan Michael Kelly

"Diese Alltagsutensilien reizen mich, weil wir mit ihnen oft...

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