Peloton, Zoom & Co.: Der schwere Absturz der Stay-at-Home-Aktien

·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
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Corona ist zurück – die alten Reflexe aber nicht. Anders als 2020 sind vor allem die Profiteure der Pandemie wie Peloton oder Zoom zuletzt an der Börse schwer abgestürzt, obwohl die Delta-Variante erste Shut- und Lockdowns erzwingt.

Das Virus kehrt zurück in den Fokus, doch die Corona-Profiteure sind an der Wall Street unter Druck (Foto: REUTERS/Lucas Jackson)
Das Virus kehrt zurück in den Fokus, doch die Corona-Profiteure sind an der Wall Street unter Druck (Foto: REUTERS/Lucas Jackson)

Es ist wieder so weit: Der Herbst ist da – und das Coronavirus beschäftigt zumindest die westliche Welt wieder mehr. Die Neuinfektionszahlen sind im höchsten Maße alarmierend. In der vergangenen Woche wurden in Deutschland erstmals mehr als 50.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag festgestellt, während die Fallzahlen in den USA mit 80.000 Corona-infizierten an einem Tag wieder anziehen. Man kann es die vierte Welle – oder die neue Normalität nennen.

An den Kapitalmärkten scheint das Virus zumindest weitgehend seine Bedrohung verloren zu haben – die Leitbörsen dies- und jenseits des Atlantiks notieren ebenso wie die Dickschiffe der Big Tech-Industrie, Microsoft oder Alphabet, nur marginal von Allzeithochs entfernt.

Peloton erleidet schweren Crash

Doch die jüngste Flut an den Weltbörsen hob nicht alle Boote. Tatsächlich ausgerechnet jene Unternehmen, die im vergangenen Jahr noch ganz maßgeblich von den Beschränkungen der Pandemie profitiert haben, sind an den Kapitalmärkten bei Vorlage ihrer jüngsten Zahlenwerke zum Teil dramatisch eingebrochen.  

Am heftigsten traf es den Fitnessgeräte-Anbieter Peloton, der 2020 noch zum Vorzeigeunternehmen des veränderten Lebensstils in der Pandemie avancierte. In der vorvergangenen Woche verfehlte Peloton nicht nur die Umsatzschätzungen der Wall Street, sondern reduzierte auch die Erlösprognose für das Gesamtjahr um gleich eine Milliarde Dollar; ein Einstellungsstopp folgt.

„Stay-at-Home“-Unternehmen wie Zoom und Roku verlieren zweistellig

Die Folge: Die Highflyer-Aktie des letzten Jahres, die 2020 noch um mehr als 400 Prozent zugelegt hatte, verlor seit Bekanntgabe der Quartalszahlen fast die Hälfte des Wertes. Der Paradigmenwechsel erschien dabei fast absehbar: Weil die Zeit der harten Lockdowns vorbei ist und Menschen wieder mehr Zeit im Fitnessstudio verbringen als noch vor einem Jahr, gingen Pelotons Absätze der Fitnessgeräte im jüngsten Quartal um 17 Prozent zurück.  

Der massive Absturz des Fitnessgeräteherstellers an der Wall Street ist dabei keine Ausnahme unter den sogenannten „Stay-at-Home“-Unternehmen. Auch andere Star-Aktien des Vorjahres kamen im laufenden Jahr unter den Hammer.

Anteilsscheine des Videotelefonie-Anbieters Zoom, der in der Pandemie zum Verb geworden ist („Lass uns zoomen“), verbilligten sich seit Jahresbeginn um 25 Prozent, während Roku, ein früherer Anbieter von Set-Top-Boxen, der im Lockdown von der mehr vor dem Fernseher verbrachten Zeit profitierte, seit Januar um 18 Prozent an Wert verlor. Zum Vergleich: Der Leitindex der US-Technologiewerte Nasdaq 100 legte im gleichen Zeitraum um mehr als 25 Prozent zu.

Auch Pinterest und Snap zuletzt im Ausverkauf

Nach der alten Börsenweisheit „Was hoch fliegt, kann auch tief fallen“ wurden somit im Social Media-Sektor seit Wochen jene Papiere verkauft, die wegen der Corona-Pandemie mehr online verbrachten Zeit noch so gut gelaufen waren. Vor allem die Ideen-Plattform Pinterest musste Federn lassen und liegt seit Jahresbeginn um mehr als 30 Prozent hinten, während Stories-Erfinder Snap einen Kurssturz in diesen Dimensionen allein nach den jüngsten Quartalzahlen im Oktober erlebte. Dennoch: Seit Januar bliebt trotzdem noch ein Mini-Minus übrig.

Es gibt jedoch Corona-Profiteure, die auch nach dem Paradigmenwechsel der Wiedereröffnung weiter haussierten: Die Anteilsscheine der Online-Plattform für Vintage-Waren, Etsy, legten seit Januar um weitere 60 Prozent zu, während der kanadische E-Commerce-Plattform-Anbieter Shopify auch 2021 um fast 50 Prozent vorne liegt. Merke: Manches Wachstum ist so stark und nachhaltig, dass es offenbar von keinem Richtungswechsel in der Pandemie gestoppt werden kann.

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