Person des Jahres: Til Schweiger

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Til Schweiger bei der Einweihung der Flüchtlingskita in Osnabrück (Bild: dpa)
Til Schweiger bei der Einweihung der Flüchtlingskita in Osnabrück (Bild: dpa)

Er redet nicht nur viel, sondern handelt. Til Schweiger mag nerven, aber damit ist er ein Vorbild – unsere Person des Jahres 2016.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Sicherlich, auf der Nase landet Til Schweiger des Öfteren. Er ist leicht beleidigt, von Journalisten fühlt er sich unverstanden, wenn man mal zu kritisch oder mal zu pampig nachfragt. Er postet, ohne viel zu recherchieren, posaunt dann heraus. Große Klappe… aber auch großes Herz. Und das zeichnet ihn aus.

Schon seltsam, wie viel über einen bekannten Schauspieler gelacht wird, der eigentlich meist ernste Rollen spielt. Häme und Missgunst öffnen sich über ihm, als wäre er ein Mülleimer der Nation. Dabei begeht Schweiger zum einen den Fehler, seinen Familiennamen nicht zum Programm zu erheben und zweitens den, sich nicht nur über seine Berufsrolle zu definieren, sondern auch als Mensch mit einer Meinung, zu der er steht. Dies sicherlich mit dem Selbstbewusstsein eines Erfolgstypen, Kritiker hin oder her. Aber das muss ebenfalls erstmal durchgezogen werden.

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Schweiger geht mit weit geöffneten Augen durchs Leben. Meint er einen Missstand zu erkennen, spricht er ihn an. Für ihn leben Künstler nicht auf ihrer Unterhaltungswolke, sondern sollten sich bewusst sein, dass mehr auf sie achten als auf den Ingo nebenan. Das bringt Verantwortung.

Manche meinen, es sei nicht ihr Job sich politisch zu äußern, und das ist ihr gutes Recht. Schlagerkönigin Helene Fischer zum Beispiel, die wurde von Udo Lindenberg direkt aufgefordert, er fände es gut, „wenn von Helene Fischer auch mal ein Statement käme gegen Rechtspopulismus“. Sie schwieg. Und das ist auch nicht negativ zu beurteilen, schließlich regiert sie über ihre Privatsphäre, wozu auch die politische Meinung gehört. Aber es qualifiziert auch nicht für die „Person des Jahres“.

Ein Star, der mitmischt

Schweiger hat nicht nur eine große Klappe, er handelt auch. Als er sich 2015 über Facebook mit seinen Trollen anlegte, kündigte er den Bau eines eigenen Flüchtlingsheimes an. Als das nicht klappte – vorschnelle Entscheidung auf eine Immobilie, falsche Berater, dann weniger Flüchtlinge – , ging es wieder los mit der Hämedusche. Der Schweiger, hieß es, große Klappe.

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Und doch was dahinter. Schweiger hatte eine Stiftung gegründet, und mit der hilft er, vor allem Kindern. Vor kurzem weihte er ein Betreuungshaus für Flüchtlingsinder ein, das mit seiner Unterstützung gebaut wurde. So wird es hoffentlich weiter gehen, in den kommenden Jahren.

Schweiger ist ein Star mit dem Herzen am richtigen Fleck. Er ist ein Hingucker. Mitgefühl und Mitmenschlichkeit sind für ihn keine Worte, die er erst im Wörterbuch nachschlagen muss. Da mag er gern ab und zu übers Ziel hinausschießen. Nur das mit der dünnen Haut gegenüber der Journaille könnte er mal angehen.

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