Pflegefall: Wenn die Welt auf die Größe des Wohnzimmers schrumpft

Seit Jahresbeginn gelten fünf statt drei Pflegestufen. Auch für die Berliner Senioren ändert sich dadurch viel. Ein Besuch.

An der Wand lehnt noch der Schrank mit dem Familiengeschirr, tickt die Standuhr mit den römischen Zahlen. Beides Erbstücke. Der runde Esstisch aber ist zur Seite geschoben. Unter dem Fenster steht ein Einzelbett. Eine Körperdrehung breit, kniehoch. Ein Pflegebett. Mit seiner Frau Renate sitzt Hans-Georg Walther tagsüber gemeinsam in dem Esszimmer der Wohnung im sechsten Stock. Durch das Fenster blickt man in Richtung Süden. Auf die Reihenhäuser von Lichtenberg, den Verkehr von Alt-Friedrichsfelde, eine breite Straße, in Richtung Osten, zum Tierpark, irgendwo dort hinten. Spazieren kann Walther nicht mehr. Alleine das Zimmer verlassen auch nicht.

Hans-Georg Walther ist 82 Jahre alt. Vor vier Jahren bekam er einen Schlaganfall. Seitdem sitzt er im Rollstuhl. Seine linke Seite ist gelähmt. Das linke Bein trägt ihn nicht mehr. Das Sprechen fällt ihm schwer. Einmal pro Woche kommt eine Logopädin vorbei. Wo jetzt sein Bett steht, da schlief früher einmal sein Sohn, als er noch ein Kind war. Später lud er hier mit seiner Frau Renate Walther (81) öfter Freunde und Familie zum Essen ein. Heute schläft er in dem Zimmer, isst er. Und für den Notfall steht neben dem Bett auch ein Toilettenstuhl.

In ein Heim wollte Renate Walther ihren Mann nicht geben. Für betreutes Wohnen hätte sie zuzahlen müssen. Jetzt pflegt sie ihn zu Hause. Bringt ihm Essen. Stützt ihn, wenn er auf Toilette muss. Bringt ihn abends ins Bett. Renate Walther ist für ihr Alter fit, sagt sie. Sie ist 81 Jahre alt. Aufrech...

Lesen Sie hier weiter!

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen