Phelps fordert WADA-Reformen

Phelps fordert WADA-Reformen
Phelps fordert WADA-Reformen

Der Druck auf die WADA wächst: Vor einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses rief auch Rekord-Olympiasieger Michael Phelps zu Reformen der Welt-Anti-Doping-Agentur auf. Für den 23-maligen Goldmedaillengewinner im Schwimmen ist klar, "dass es noch immer tief verwurzelte Probleme im System gibt, die sich immer wieder als schädlich für die Integrität des internationalen Sports und das Recht der Athleten auf einen fairen Wettkampf erweisen."

Phelps (38) war gemeinsam mit der viermaligen Schwimm-Olympiasiegerin Allison Schmitt (34) und US-Anti-Doping-Chef Travis Tygart als Zeuge nach Washington geladen worden. Er forderte den Kongress auf, seinen "erheblichen Einfluss auf die WADA zu nutzen, um die Organisation unabhängig und effektiv zu machen", sagte Phelps, der die WADA bereits in der Vergangenheit wegen des Umgangs mit dem russischen Dopingskandal kritisiert hatte.

Die USA sind mit mehr als drei Millionen Euro im Jahr der größte staatliche Geldgeber der WADA. Auch in der deutschen Politik wird über die Finanzierung des weltweiten Anti-Doping-Kampfes durch die Agentur aus Montreal debattiert, das Bundesinnenministerium stellte bereits die Existenzberechtigung der WADA infrage. Aus Deutschland kamen 2023 knapp 1,2 Millionen Euro, größter Geldgeber ist die olympische Bewegung.

Die Wellen ausgelöst hatte eine Recherche der ARD-Dopingredaktion und der New York Times. Demnach waren vor den Sommerspielen 2021 in Tokio 23 Spitzenschwimmer aus China positiv auf das verbotene Herzmittel Trimetazidin getestet, allerdings nicht sanktioniert worden. Die WADA hielt die Fälle unter Verschluss und geht von einer Kontaminierung in einer Hotelküche aus. Die Vorwürfe aus den USA weist sie ebenso zurück wie die chinesische Anti-Doping-Agentur CHINADA, die für die Untersuchung zuständig war.

Phelps und Schmitt geben sich damit nicht zufrieden. "Als Athleten können wir nicht länger blind auf die Welt-Anti-Doping-Agentur vertrauen, eine Organisation, die ständig beweist, dass sie entweder nicht in der Lage oder nicht willens ist, ihre Richtlinien weltweit konsequent durchzusetzen", sagte Phelps. Er selbst habe "enge Freunde", die unter der Entscheidung, die chinesischen Schwimmer in Tokio an den Start gehen zu lassen, gelitten haben.

Schmitt war in Tokio Teil der 4x200m-Freistilstaffel, die Silber hinter China gewann. Auch in diesem Rennen waren chinesische Schwimmerinnen am Start, die zuvor positiv getestet worden waren. "Wir haben ihre Leistungen respektiert und unsere Niederlage akzeptiert", sagte Schmitt, "aber jetzt, da ich erfahren habe, dass die chinesische Staffel aus Athletinnen bestand, die keine Sperre verbüßt hatten, blicke ich mit Zweifeln zurück."

Tygart schlug vor, die Finanzierung an Bedingungen zu knüpfen. Der Chefkritiker der WADA fordert die Einrichtung eines "unabhängigen Expertenkomitees", das Entscheidungen über alle positiven Fälle trifft, die nicht zu einem Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln und einer öffentlichen Bekanntgabe führen.

Auch WADA-Präsident Witold Banka war vor den Untersuchungsausschuss geladen worden, erschien aber nicht und wehrte sich anschließend in einem langen Statement. "Es ist nicht angebracht, den Anti-Dopingkampf auf diese Weise zu politisieren", sagte der Pole: "Es schwächt nur das Vertrauen in das System, was letztlich weder den Athleten aus den USA noch anderswo zugutekommt."

Die Anhörung vor dem Kongress habe sich, wie von der WADA erwartet, ohnehin nur darauf konzentriert, "weitere Fehlinformationen über den Kontaminationsfall aus dem Jahr 2021 mit 23 Schwimmern aus China zu verbreiten und dem Ruf der WADA und des globalen Anti-Doping-Systems weiter zu schaden". Auch eine Einladung des Sportausschusses des deutschen Bundestages hatte Banka ausgeschlagen.