Philosoph Precht warnt bei Markus Lanz vor Digitalisierung

Precht sieht die Gesellschaft vor einem historischen Umbruch. (Bild: Screenshot ZDF)

„Die Digitalisierung bedroht alles, was ist“: Mit dieser These sorgte Richard David Precht in der aktuellen Sendung von Markus Lanz für Unruhe.

Precht, der gerade sein Buch „Jäger, Hirten, Kritiker“ veröffentlicht hat, warnt vor einem historischen Umbruch durch die Digitalisierung. In der Geschichte habe technisch-ökonomischer Fortschritt immer auch gesellschaftliche Umwälzungen mit sich gebracht. Die aktuelle Zeit bezeichnet er als „Ruhe vor dem Sturm“: In der Bevölkerung sei bereits Misstrauen, Unsicherheit und Unruhe im Hinblick auf die Zukunft zu spüren. „Die Politik greift das nicht auf, weil sie Angst hat, den Leuten Angst zu machen“, so der Philosoph.

Gerade große Unternehmen wie Google und Facebook machen Richard David Precht mit Blick auf die Zukunft Sorge, da sie eine andere Ideologie und Vorstellung vom Menschen hätten als die Bevölkerung. „Das Silicon Valley sieht den Menschen als eine Art Ratte im Labor“, erklärt er. Das Verhalten jeder Person werde beobachtet und analysiert, um ein genaues Verständnis ihrer Denkweise zu bekommen und sie letztendlich steuern zu können. Besonders gefährlich werde es, wenn die so gewonnenen Daten dann etwa zu Wahlkampfzwecken an Politiker verkauft würden: „Dann leben wir nicht mehr in einer freiheitlichen Demokratie“, warnt Precht.

Unternehmer Westermeyer wertet die Digitalisierung optimistischer als Precht. (Bild: Screenshot ZDF)

Der Unternehmer und Start-up-Gründer Philipp Westermeyer nimmt Facebook & Co. derweil in Schutz: Viele Menschen würden die angebotenen Dienste gerne nutzen, der Service sei „gut, cool und sinnvoll“, erklärt er. „Wer solche coolen Produkte anbietet, der ist ja erst mal nicht so schlecht.“ Dass es Mängel beim Datenschutz gebe, liegt seiner Meinung nach daran, dass die Unternehmen noch recht jung seien und sich noch in der Lernphase befänden. Wenn Fehler entdeckt würden, würde ja „on the go“ nachgebessert. „Ich glaube, dass viele Menschen mehr Sorgen haben, als unbedingt nötig sind“, befindet Westermeyer – zu ungläubigen Blicken von Philosoph Precht.

Der befürchtet, dass in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten mehrere Millionen Deutsche ihre Arbeit durch die Digitalisierung verlieren werden. Besonders den Banken- und Versicherungssektor sieht er betroffen, da diese Berufe „algorithmierbar“ seien und es nicht auf menschliche Qualitäten ankomme. Das Aussterben bestimmter Berufe mit traditionell schwierigen Arbeitsbedingungen und verhältnismäßig niedrigem Lohn, etwa im Bergbau, hält er derweil für weniger tragisch.

Christine Bergmann (SPD) war von 1998 bis 2002 Bundesfamilienministerin. (Bild: Screenshot ZDF)

„Man darf da nicht so werten“, springt die frühere SPD-Bundesfamilienministerin Christine Bergmann ein. Die Menschen würden sich zu einem großen Teil über ihre Erwerbsarbeit definieren und auch widrige Arbeiten würden Einkommen, Ansehen und Status stiften. „Ich habe das schon vielfach erlebt, was das mit Menschen macht, wenn ihre Erwerbsarbeit, egal, in welchem Bereich, weg ist – sie ist erst mal weg und ich weiß noch nicht, was an diese Stelle tritt. Das macht mir schon Sorge“, erklärt sie.

Um dieser Sorge entgegenzuwirken, setzt sich Richard David Precht für ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.500 Euro ein. „Wichtig wird für die Zukunftsgesellschaft sein, dass der Zustand, zeitweilig keiner geregelten Erwerbsarbeit nachzugehen, aufgewertet werden muss“, meint er. Durch das bedingungslose Grundeinkommen, das durch eine geringe Finanztransaktionssteuer finanziert werden soll, würden sich die Menschen weniger nutzlos und abgehängt fühlen, wenn sie gerade keinen Job haben. Außerdem könnten sie sich Zeit nehmen, um zu überlegen, was sie eigentlich tun wollen. Statt „entfremdeter“ Arbeit für Geld würden sie so „selbstbestimmte“ Tätigkeiten verfolgen können.

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