"Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert"

Ganze Textstellen soll Ursula von der Leyen kopiert haben. (Bild: Screenshot/VroniPlag Wiki)
Ganze Textstellen soll Ursula von der Leyen kopiert haben. (Bild: Screenshot/VroniPlag Wiki)

Es geht um Geburtsvorbereitung und Blasensprung: Ursula von der Leyen (CDU) wird von ihrer 25 Jahre alten Dissertation eingeholt. Ganze Textstellen soll die Verteidigungsministerin wörtlich abgeschrieben haben. Hier sind einige Beispiele:

Die farbigen Stellen auf der Seite "VroniPlag Wiki" sollen Textstellen zeigen, in denen Ursula von der Leyen aus der Quelle (Krumbach 1989) ganze Sätze abgeschrieben haben soll. Auf der rechten Seite sind die Stellen der Originalquelle zu sehen, auf der linken Seite ist die Übernahme in der Arbeit der Ministerin zu finden. Tatsächlich sind wortgetreue Übernahmen zu lesen, die offenbar nicht als Zitat vermerkt wurden. 

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)

Von der Leyen promovierte im Bereich Frauenheilkunde. Der Titel der Arbeit lautet: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung".

Die 1990 erschienene Arbeit zur Frauenheilkunde enthalte "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind", heißt es auf der Internetseite "VroniPlag Wiki", wo Nutzer ihre Erkenntnisse zusammentragen. Aus den Auswertungen geht hervor, dass drei der beanstandeten Seiten zwischen 50 und 75 Prozent Plagiatstext enthalten und fünf Seiten mehr als 75 Prozent. 

Der Gründer der Plagiatsplattform, Martin Heidingsfelder, forderte die Aberkennung des Doktortitels von der Leyens. "Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören. "Deshalb müsste die Medizinische Hochschule ihr den Titel entziehen. Die Wissenschaft tut sich keinen Gefallen, wenn sie renommierte Politiker schützt."

Verteidigungsministerin möchte Vorwürfen nachgehen

Von der Leyen wehrte sich gegen die Kritik. "Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte die CDU-Vizevorsitzende den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sie habe Ende August "von den Aktivitäten im Netz" erfahren. Noch am selben Tag habe sie die Hochschule Hannover gebeten, die Dissertation "durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle überprüfen zu lassen". Erste interne Ergebnisse werden für die nächsten Tage erwartet. 

Von der Leyen sagte weiter: "Es ist nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen." Tatsächlich haben Plagiatsvorwürfe schon mehrere Spitzenpolitiker in Bedrängnis gebracht - bis hin zum Rücktritt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) musste 2011 sein Amt niederlegen, nachdem ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel aberkannt hatte. 2013 trat Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) nach dem Entzug ihres Titels durch die Uni Düsseldorf zurück. Plagiatsvorwürfe gab es auch gegen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Uni Gießen stellte in seinem Fall 2013 weder wissenschaftliches Fehlverhalten noch Täuschungsabsicht fest.

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