Platz fünf: Rund 44 Prozent der Erwerbstätigen in Köln sind „Einpendler“

Etwa 60 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland pendeln.

Die Zahl der Pendler in Deutschland ist 2015 auf einen Rekordwert gestiegen. Das geht aus einer Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn hervor. 2015 pendelten demnach bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer zum Job in eine andere Gemeinde. Im Jahr 2000 waren es 53 Prozent.

Die meisten Pendler gibt es in München. Dort arbeiten 2015 rund 355.000 Menschen, die außerhalb der Stadtgrenze wohnen. Das ist ein Plus von 21 Prozent seit 2000. Auf Platz zwei folgt Frankfurt am Main mit 348 000 Pendlern, 14 Prozent mehr als 2000. Hamburg und Berlin kommen auf die Plätze drei und vier. Auf Platz fünf folgt Köln mit 249 400 Einpendlern, 23 Prozent mehr als im Jahr 2000. Düsseldorf belegt Platz sechs mit knapp 240 000 Einpendlern, das entspricht einem Plus von 20 Prozent. Auf Platz zehn liegt Essen 119 300 Einpendlern, plus 26 Prozent.

Strecke wird länger

Auch der Weg zum Arbeitsplatz ist länger geworden: von durchschnittlich 14,6 Kilometern im Jahr 2000 auf 16,8 Kilometer im Jahr 2015. Vom Wachstum der wirtschaftsstarken Großstädte profitierten vor allem deren Umlandgemeinden, sagte Institutsdirektor Harald Herrmann.

Die Entwicklung löst bei vielen Fachleuten keineswegs Begeisterung aus – bei Verkehrs- und Siedlungsplanern ebenso wenig wie in den Krankenkassen. „Der Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung steigen“, sagt Herrmann. „Deshalb ist es wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt hält und das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden bleibt.“

Pendler sind häufiger genervt als Menschen mit kürzeren Arbeitswegen: „Die verfügbaren Untersuchungen zeigen, dass tägliche Pendelmobilität die körperliche und psychische Gesundheit der Erwerbstätigen gefährden kann und einen negativen Einfluss auf das Gesundheitsempfinden hat“, sagt Simon Pfaff vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. „Je länger die Fahrzeit der Erwerbstätigen, desto größer die Belastung, auch weil weniger Zeit zum Regenerieren bleibt.“ Die Krankenkassen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. So haben Pendler laut einer Studie der Techniker Krankenkasse ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken.

Günstige Wohnungen fehlen

Die wachsenden Pendlerzahlen sind aus Sicht der IG BAU auch eine Folge falscher Wohnungspolitik. Bezahlbares Wohnen müsse auch in Metropolen und Ballungsräumen ermöglicht werden, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft, Dietmar Schäfers. Menschen und Umwelt litten „unter einer lange sträflich vernachlässigten Wohnungsbaupolitik“, kritisiert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Aus Sicht der Gewerkschaft sei es ein Fehler gewesen, „die Wohnungen der öffentlichen Hand zu privatisieren“.

In Deutschlands Großstädten wird es immer enger. Es gibt nicht nur mehr Pendler – es ziehen auch immer mehr Menschen in die Städte. München etwa hat in den vergangenen dreißig Jahren etwa 300.000 Einwohner gewonnen, die Bevölkerung ist von 1,2 auf 1,5 Millionen gewachsen. Doch der Trend zum Wohnen in der Stadt wird die Pendlerzahlen nicht mindern. „Es ist eine schöne Vorstellung, dass es weniger Pendler gäbe, wenn man vermehrt in die Städte zieht“, sagt Christian Breu, Geschäftsführer des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München. „Die Leute sind bei der Arbeitsplatzwahl flexibler als bei der Wahl des Wohnorts. Die Entwicklung wird sich nicht drehen. Die Pendlerströme in und aus der Stadt werden deutlich zunehmen“ – auch weil in Ballungsräumen ein größerer Anteil der neuen Arbeitsplätze in den Kernstädten entsteht als im Umland.

Befristete Arbeitsverträge werden zum Problem

Die Änderungen im Arbeits- und Familienleben haben ebenfalls Auswirkungen, wie Pfaff erläutert. „Durch die zunehmende Frauenerwerbsquote gibt es immer mehr Doppelverdiener. Paare sind unflexibler bei der Wohnortwahl, vor allem, wenn Kinder im Haushalt leben“, sagt er. „Auch die steigende Zahl befristeter Arbeitsverträge begünstigt das Pendeln, weil Erwerbstätige nicht für einen überschaubaren Zeitraum den Wohnort wechseln wollen.“ (dpa)

Pendler fahren öfter nach Köln

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung kommt in Köln auf knapp 250.000 so genannte Einpendler, die jeden Tag zur Arbeit nach Köln fahren. Das Landesstatistikamt (IT.NRW) kommt auf andere Werte: Nach seiner „Pendlerrechnung 2015“, die Mitte Januar veröffentlicht wurde, fahren 315.744 Menschen täglich zur Arbeit nach Köln. Deutlich weniger Kölner zieht es dagegen jeden Morgen aus der Stadt: 144.209 arbeiten jenseits der Stadtgrenze.

Etwa die Hälfte der 8,95 Millionen Erwerbstätigen in NRW fährt jeden Tag von ihrem Wohnort in eine andere Gemeinde zur Arbeit. Köln , Düsseldorf und Essen ziehen mit einer Gesamtzahl von mehr als einer Dreiviertelmillion Beschäftigten die meisten Menschen an.

In Köln machen die „Einpendler“ laut IT.NRW zufolge rund 44,1 Prozent aller Erwerbstätigen (715.809) aus. Damit kommt die Stadt aber lediglich auf Rang 21 unter den 29 Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern in NRW. Düsseldorf kommt dagegen auf 58 Prozent (Rang 3) und Bonn auf 55,4 Prozent (Rang 5). (RR/ksta)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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