Platz für Wohnhaus: Abbruch eines der ältesten Häuser in Ehrenfeld beginnt

Das Kleinod aus alter Zeit verschwindet bald.

Die Tage des Gebäudes am Ehrenfeldgürtel 112 sind endgültig gezählt. Der letzte Nutzer, ein Bustouristikunternehmen, das hier seine Geschäftsstelle hatte, ist nach nebenan gezogen. Auch die angrenzende Werkstatt ist leergeräumt. Der Abbruch beginnt Anfang Mai. Damit verschwindet ein Gebäude, das zu den ältesten im Stadtteil Ehrenfeld zählt. 1873/74 wurde es erbaut. Mutmaßlich könnte es zeitweilig sogar Rathaus gewesen sein. Belege gibt es dafür allerdings nicht.

Bahnhofstraße 48 lautete die Adresse, denn so hieß die Straßenverbindung zwischen Venloer und Subbelrather Straße damals. Sie führte über die ebenerdig verlaufenden Bahngleise am Bahnhofsgebäude. Nach der Eingemeindung Ehrenfelds nach Köln wurde sie zunächst in Dechenstraße umbenannt, Anfang des 20. Jahrhunderts dann ein Teil des damals neu gebauten Ehrenfeldgürtels. Ein Stück weiter entstand bald wieder eine Dechenstraße.

Gebrannte Ziegel waren das vorherrschende Baumaterial. Den neugotischen Baustil mit einem Treppengiebel findet man auch auf Abbildungen früherer Gebäude aus dieser Epoche, etwa des alten Gaswerks an der Subbelrather Straße/Höhe Ottostraße und der Ehrenfelder Glashütte direkt gegenüber des bald verschwindenden Hauses.

Die Ehrenfelder Familie von Umbscheiden erwarb das Haus schon vor 1920. Es war Wohn- und Geschäftssitz. Direkt angrenzend befand sich die Werkstatt des auf Fahrzeug-Getriebe spezialisierten Familienbetriebs. Zeitweilig gehörte auch eine Tankstelle zur Werkstatt. Das Unternehmen verlegte 1997 den Firmensitz vom Ehrenfeldgürtel an die Von-Hünefels-Straße im Gewerbegebiet Am Butzweilerhof.

Wohnhaus statt Werkstatthalle

Helga von Umbscheiden, heutige Firmenchefin, hat anstelle des alten Backsteinhauses und der zum Ehrenfeldgürtel hin liegenden Werkstatthalle ein Wohnhaus planen lassen. Es soll acht moderne und barrierefreie Wohneinheiten bieten. Außerdem zwei Ladenlokale. Der Baubeginn soll möglichst bald nach dem Abbruch erfolgen. „Wir wollen im Winter schon Dachhöhe erreicht haben“, sagt Helga von Umbscheiden. In etwa zwölf bis 18 Monaten soll das Projekt abgeschlossen sein.

„Wir überlegen noch, in welcher Form an die alte Bebauung erinnert wird“, sagt Helga von Umbscheiden. Das sei auch im Sinne ihrer Familie, denn der Firmensitz sei schließlich viele Jahrzehnte lang dort gewesen.

Hoffnung auf den Erhalt des Backsteinhauses gibt es demnach nicht mehr. Die hat auch Dieter Brühl, Vorsitzender der Bürgervereinigung Ehrenfeld, nicht mehr. Die Abbruchgenehmigung ist bereits im Februar erteilt worden. Auch über den Denkmalschutz konnte Brühl nichts erreichen. Das Gebäude war nicht als Denkmal geführt, da schon vor Jahrzehnten durch den Einbau moderner Fenster anstelle der ursprünglichen Fenster mit neugotischen Spitzbögen das Erscheinungsbild des Hauses massiv verändert wurde.

„Ein Stück Ehrenfelder Geschichte verschwindet aus dem Stadtbild“

„Trotzdem schade, dass ein Stück Ehrenfelder Geschichte aus dem Stadtbild verschwindet.“ Brühl hält es für möglich, dass – wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum – das Gebäude das Ehrenfelder Rathaus war. Der Zufall will es, dass genau 150 Jahre nachdem Ehrenfeld zur selbstständigen Gemeinde ernannt wurde, abgebrochen wird.

Im Jahr 1867 wurden Ehrenfeld und das Hofgut Subbelrath zu einer selbstständigen Gemeinde vereint. 4405 Einwohner lebten damals in dem erst 20 Jahre zuvor gegründeten Ort. Ehrenfeld war bis dahin Teil der Gemeinde Müngersdorf. Da Bürgermeister Christian Schult seit 1859 in Ehrenfeld wohnte, befand sich hier auch schon der Verwaltungssitz für Müngersdorf und Ehrenfeld. In welcher Straße genau, ist jedoch nicht bekannt. Brühls Vermutung, dass zumindest von 1874 an die Gemeindeverwaltung an der damaligen Bahnhofstraße gelegen sein könnte, rührt von der Tatsache, dass dort ein städtischer Bediensteter das Haus erbauen ließ und selbst darin wohnte.

Im Jahr 1877 eröffnete ein „Amtslocal“ in der Gutenbergstraße 6, nahe der Venloer Straße. Das repräsentative Ehrenfelder Rathaus an der Venloer Straße 338 wurde 1880 eröffnet, ein Jahr nachdem Ehrenfeld offiziell das Stadtrecht erhalten hatte. Mit seinem Glockenturm war es prägend für das Viertel. Nicht einmal ein Jahrzehnt verging, bis das Rathaus zur Verwaltungsstelle degradiert wurde. Die Stadt Ehrenfeld wurde zum 1. April 1888 – wie die Stadt Deutz und die Landgemeinden Longerich, Müngersdorf, Nippes, Poll und Kriel – nach Köln eingemeindet....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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