Politik: Die SPD feiert in Berlin eine zweifache Krönungsmesse

Am Sonntag wählt die SPD Martin Schulz zum neuen Parteichef und zum Kanzlerkandidaten. Eine Wahl mit Langzeitwirkung , meint Jochim Stoltenberg.

In der Arena in Treptow, einem ehemaligen Betriebshof der BVG, hat die SPD heute nach langer Zeit mal wieder allen Grund zum Jubeln. Sie zelebriert dort eine gleich zweifache Krönungsmesse. Wenn sie am Ende des Tages Martin Schulz erst zum Parteivorsitzenden und dann zum Kanzlerkandidaten gekürt hat, rüttelt sie nach Jahren der Hoffnungslosigkeit wieder aussichtsreich am Tor zum Kanzleramt.

Ende letzten Jahres wagte davon kein Sozialdemokrat zu träumen. Angesichts der vermeintlichen Übermacht Angela Merkels wurde gar empfohlen, erst gar keinen Gegenkandidaten ins Rennen gegen sie zu schicken. Und nun das. Ein Beleg mehr dafür, wie fragwürdig politische Prognosen über ein paar Tage hinaus sind.

Dass einer Partei innerhalb weniger Wochen der Ausbruch aus einer einbetonierten Zwanzig-Prozent-Zone in den Dreißiger-Bereich gelang, konnten Deutschlands Demoskopen noch nie vermelden. Die wahren Gründe für den sensationellen Erfolg ihres neuen Heilsbringers Martin Schulz können auch die meisten Sozialdemokraten noch nicht so recht erklären.

Schulz wirkt für potenzielle Wähler glaubwürdiger

Mit dem Schlagwort "Soziale Gerechtigkeit" hat sich die SPD auch schon in früheren Kampagnen versucht. Aber Schulz wirkt für potenzielle SPD-Wähler wieder glaubwürdiger, seit er von der Agenda 2010, dem sozialdemokratischen Spaltpilz, abrückt. Er weckt Emotionen, hat – wie einst Gerhard Schröder – den unbedingten Machtwillen und erscheint, obwohl viele Jahre bei der EU in Brüssel, als neues Gesicht auf...

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