Verzicht auf AfD-Spitzenkandidatur: Frauke Petrys Kampfabsage

Petry ist umzingelt von Partei-Feinden. Nun zieht sie sich zurück, vorerst.

Es ist bereits Nachmittag, als die Botschaft von Frauke Petry eintrifft. Sie hatte sie angekündigt. Aber nun sind der Zeitpunkt und der Inhalt doch überraschend. Sie stehe als Spitzenkandidatin nicht zur Verfügung, sagte die AfD-Chefin in einer Videobotschaft im Internet. Weder allein noch als Teil eines Teams.

Dass es beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland an diesem Wochenende in Köln zu einem Showdown kommen könnte, war vorher klar. Dass aber ausgerechnet Frauke Petry selbst die Waffen strecken würde – oder zumindest einen Teil davon, denn das Amt der Parteichefin wird in Köln nicht neu besetzt – kommt unerwartet.

Oder erhöht Petry nur den Einsatz bei ihrem Poker?

Seit Wochen sendet die AfD-Chefin unklare Signale. Zum Beispiel an jenem Abend im „Lindenhof“ im ostsächsischen Bad Muskau. Petry schaut in ihre Unterlagen, wirkt fokussiert – und zugleich doch teilnahmslos, als ob sie das Drumherum im Saal nicht interessiert. Die Menschen im Saal sind wegen ihr gekommen, doch zunächst halten die örtlichen AfD-Vertreter lange Monologe. Als es kurz um den Parteitag in Köln geht, der „von 3000 Polizisten“ bewacht werden müsse, wie ein Redner schimpft, brüllt ein Mann im Saal „Schwulenstadt“, Petry blickt nur kurz auf.

Doch erst, als nach gut zwei Stunden endlich Fragen dran sind, geht es nur noch um das Eine: den großen Krach, die endlosen Auseinandersetzungen in der Führung, die drohende Spaltung. Was aus Björn Höcke werden soll und möglicherweise auch aus Petry. Sie redet nun, als ginge sie vorsichtig über dünnes Eis. Es sei alles nicht so einfach, es gebe Themen, die müsse man behutsam anfassen. Die AfD müsse im Westen wählbar bleiben, sonst werde es nichts. „Es muss Grenzen geben, was man in einer Partei sagen darf.“

Sie meint Björn Höcke. Sie erwähnt ihn nicht, aber alle wissen, dass sie die Rede des Thüringers in Dresden meint, in der er vor einigen Wochen einen 180-Grad-Schwenk in der deutschen Erinnerungspolitik forderte. Seitdem krachte es in der AfD, der Parteitag in Köln würde zur Bühne für große Entscheidungen werden.

Petrys Dünnhäutigkeit ist erkennbar

Szenenwechsel, nach Berlin. Nur wenige Tage vor dem Parteitag gibt Frauke Petry eine Pressekonferenz in der Hauptstadt, diesmal in ihrer Funktion als Chefin der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag. Es geht um ein Thema, das innerhalb der Partei nicht sehr kontrovers ist, um...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung

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