CSU gegen Grüne beim politischen Aschermittwoch

101 Jahre nach der Premiere bietet der politische Aschermittwoch Spitzenpolitikern eine Plattform für Stimmung, Provokation und Neckereien. Die Themen sind aber ernst.

Traditionell werden die Schmerzgrenzen in den meist angriffslustigen Reden sehr weit oben angesetzt.

Passau/Landshut (dpa) - Spitzenpolitiker haben den politischen Aschermittwoch für scharfe Verbalattacken auf andere Parteien genutzt.

CSU-Chef Markus Söder griff in Passau insbesondere die Grünen und deren Vorsitzenden Robert Habeck an. Ihr Programm mit Verboten und Belehrungen atme den Mief der 80er Jahre, sagte Söder. Die Grünen wollten «nix Neues, viel Altes, immer das Gleiche».

Grünen-Chef Robert Habeck wiederum warf der CSU und Söder Bigotterie vor. Die Schizophrenie der CSU, in Berlin Dinge zu vertreten, die sie in Bayern ablehne, «mag vielleicht lokal erfolgreich sein», sagte er in Landshut. Er zweifle aber daran, ob Söders Einsicht glaubhaft sei, dass die CSU sich wirklich von der AfD abgrenzen und nicht künftig doch wieder im rechten Lager Wähler wildern will. Wann immer Söder in München als laut brüllender Löwe nach Berlin aufbreche, komme er dort nur als Kätzchen an, das sich nicht mal gegen die gescheiterte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer durchsetzen könne.

Markus Söder (l) spricht beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau, Robert Habeck spricht beim Politischen Aschermittwoch der Grünen in Landshut. (Bild: Kneffel/Hase/dpa)

Neben Habeck und Söder schickte auch die SPD mit Saskia Esken die Parteispitze ins Fernduell. Sie sagte in Vilshofen nach dem Wahleklat in Thüringen, wo der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD und der CDU zum Ministerpräsidenten gewählt worden war: «Nur weil die AfD in einer demokratischen Wahl in die Parlamente gewählt wurde, sind es noch lange keine Demokraten. Nazis bleiben Nazis.»

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Bayerns AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner wiederum sagte in Osterhofen: «Ministerpräsident Söder und seinen Lakaien rate ich dringend zur Selbstanzeige wegen Volksverhetzung.» Sie reagierte auf eine Ankündigung Söders, die AfD «bis aufs Blut» bekämpfen zu wollen.

Proteste verärgerter Landwirte

Der politische Aschermittwoch feiert in diesem Jahr seinen 101. Jahrestag: 1919 hatte der bayerische Bauernbund anlässlich des Viehmarkts im niederbayerischen Vilshofen erstmals zu einer Kundgebung geladen. Nach dem Zweiten Weltkrieg belebte die Bayernpartei den politischen Aschermittwoch wieder, bevor die CSU und alle anderen Parteien folgten. Seit einigen Jahren lockt das Brauchtumsevent auch außerhalb Bayerns immer mehr Politiker und Zuschauer in Hallen und Zelte.

Begleitet wurden die Veranstaltungen in Bayern dieses Mal von Protesten verärgerter Landwirte, die mit Traktoren unter anderem bei CSU, Grünen und Freien Wählern vorfuhren. Sie betonten ihre Bedeutung für die Nahrungsversorgung mit Sprüchen wie: «Wer den Landwirt lässt verrecken, muss sich bald zum Brotkorb strecken.» Den Grünen warfen sie eine ideologische Politik vor, die Ängste schüre.

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Grünen-Parteichef Habeck nutzte seinen Besuch in Landshut für ein Gespräch. Er warb um mehr Verständnis für die Bauern - und im Gegenzug für mehr Toleranz der Landwirte für Arten- und Klimaschutz. «Wir müssen aufhören mit dem persönlichen Diskreditieren», sagte er vor seinem Auftritt.

Im Laufe des Tages waren unter anderem noch politische Aschermittwochs-Veranstaltungen mit SPD-Co-Chef Norbert Walter-Borjans, Noch-CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer sowie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz geplant, die beide ihre Kandidatur für den CDU-Vorsitz angekündigt haben.

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