Polizei beginnt Einreisekontrollen an Grenzen zu fünf Nachbarländern

Kontrollen in Kehl

Zum Schutz vor der Coronavirus-Pandemie hat Deutschland am Montagmorgen Einreisekontrollen an den Grenzen zu fünf Nachbarländern eingeführt. Am Grenzübergang in Kehl begannen deutsche Polizisten um 08.00 Uhr damit, Einreisende aus Frankreich zu kontrollieren, wie ein AFP-Reporter berichtete. Mehrere Autofahrer, die aus Straßburg einreisen wollten, wurden zurückgewiesen.

Deutschland und Frankreich hatten am Sonntag mitgeteilt, die gemeinsame Grenze weitgehend abzuriegeln. Das Innenministerium in Paris kündigte an, die Grenzübertritte würden auf das strikt Notwendige zurückgefahren. Der Warenverkehr solle aber aufrecht erhalten bleiben, auch Pendler sollten weiterhin passieren dürfen.

Deutschland schloss am Montagmorgen außerdem teilweise seine Grenzen zu Dänemark, Luxemburg, Österreich und der Schweiz. Hineingelassen werden nach Angaben von Bundesinnenmister Horst Seehofer (CSU) jeweils nur noch Reisende mit "triftigem Reisegrund".

Grenzkontrollen zum Saarland begonnen

An der Grenze zum Saarland sind am Montagmorgen bereits erste Autofahrer aus Frankreich abgewiesen worden. Sie hätten keinen triftigen Reisegrund angeben können, sagte Karsten Eberhardt, Sprecher der Bundespolizei, am Grenzübergang Goldene Bremm in Saarbrücken. Es versuchten aber nicht nur Franzosen einzureisen, sondern auch Menschen anderer Nationalitäten. Seit Montagmorgen wird der Einreiseverkehr nach Deutschland unter anderem an Grenzübergängen zu Frankreich und Luxemburg streng kontrolliert, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Deutsche Staatsbürger dürften selbstverständlich einreisen ebenso wie Pendler und Lastwagen mit Waren, sagte der Sprecher. An dem Grenzübergang habe sich bereits am Morgen ein langer Stau gebildet: Zwei Einreisespuren würden auf einer zusammengeführt. Jeder Fahrer werde befragt, sagte der Bundespolizei-Sprecher.

16.03.2020, Saarland, Saarbrücken: Beamte der Bundespolizei halten ein Auto an, das aus Frankreich nach Deutschland einreist. (Foto: Oliver Dietze/dpa)

In den ersten fünf Minuten seien um die zehn Fahrer zurückgewiesen worden, sagte Eberhardt. Sie hätten angegeben, im Saarland einkaufen oder Bekannte besuchen zu wollen. Die Bundespolizisten markierten mit Kreide an den Reifen ihrer Autos, dass sie abgewiesen wurden. So könnten sie an einem anderen Grenzübergang schnell erkannt werden und müssten nicht erneut überprüft müssen, sagte der Sprecher.

Die Bundespolizei kontrolliert auch bei Schengen die Einreise aus Luxemburg. Zunächst konzentriere man sich auf die größeren Grenzübergänge, werde aber im Laufe des Tages die Posten auch auf kleinere Übergänge ausweiten, sagte der Sprecher.

Lage in Frankreich spitzt sich zu

In Frankreich war die Zahl der Coronavirus-Infizierten am Sonntag auf mehr als 5400 angestiegen. Die Zahl der an der Lungenkrankheit Cocid-19 Gestorbenen erhöhte sich binnen 24 Stunden um 36 Tote auf 127 Opfer.

Der Generaldirektor im französischen Gesundheitsministerium, Jérôme Salomon, nannte die Lage am Montag im Radiosender France Inter "sehr beunruhigend". Die Situation könne sich "sehr schnell verschlechtern". Salomon warnte angesichts der rasant steigenden Zahl der Infizierten vor einer Überlastung der Krankenhäuser.

Tausende Deutsche sitzen im Ausland fest

Die Bundesregierung geht davon aus, dass mehrere tausend Deutsche wegen Reisebeschränkungen im Zuge der Corona-Krise im Ausland festsitzen. Vor allem in der Türkei, Marokko, Indonesien und den Philippinen haben Bundesbürger nach Angaben des Auswärtigen Amts Schwierigkeiten, nach Deutschland zurückzukehren. Man sei mit Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern im intensiven Gespräch, "um möglichst pragmatische und möglichst schnelle Lösungen" für eine Ausreise zu finden, sagte Sprecherin Maria Adebahr am Montag in Berlin.

In den vergangenen Tagen hatten immer mehr Länder Flugverbindungen gekappt und Grenzen weitgehend geschlossen. Deswegen rät das Auswärtige Amt seit Sonntag grundsätzlich von Reisen ins Ausland ab - ein beispielloser Vorgang. "Das Risiko, dass Sie Ihre Rückreise aufgrund der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr antreten können, ist in vielen Destinationen derzeit hoch", schrieb Außenminister Heiko Maas (SPD) dazu auf Twitter.

Auf der Internetseite des Auswärtigen Amts heißt es weiter, es sei mit weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen des Luft- und Reiseverkehrs, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen. Änderungen der Einreise- und Quarantänevorschriften erfolgten teilweise ohne jede Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung.

(mit Material von AFP und dpa-afx)