Schusswaffenangriff in finnischer Schule: Zwölfjähriger nennt Mobbing als Motiv

Mobbing war nach ersten Ermittlungen der Polizei das Motiv für den Schusswaffenangriff in einer Schule in Finnland. (Alessandro RAMPAZZO)
Mobbing war nach ersten Ermittlungen der Polizei das Motiv für den Schusswaffenangriff in einer Schule in Finnland. (Alessandro RAMPAZZO)

Mobbing war nach ersten Ermittlungen das Motiv für den Schusswaffenangriff in einer Schule in Finnland. Dies habe der mutmaßliche Schütze, ein zwölfjähriger Junge, bei seiner Befragung angegeben, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Während eines nationalen Trauertags wurde der Opfer der Gewalttat gedacht. Der Zwölfjährige hatte am Dienstag an der Viertola-Schule in Vantaa mit einer Pistole einen Klassenkameraden getötet und zwei Mitschülerinnen schwer verletzt.

Bei seiner Befragung habe der Junge ausgesagt, "dass er das Opfer von Mobbing war, und diese Angabe wurde auch durch die vorläufigen Ermittlungen bestätigt", erklärte die Polizei. Der Junge hatte die Viertola-Schule in Vantaa nördlich der Hauptstadt Helsinki demnach erst seit Jahresbeginn besucht.

Am Dienstagmorgen eröffnete der Zwölfjährige dort das Feuer. Die Tatwaffe, ein Revolver, stammte nach Angaben der Polizei von einem Verwandten des Jungen. Ein gleichaltriger Klassenkamerad starb vor Ort, zwei Mädchen wurden schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Laut dem finnischen Fernsehsender MTV Uutiset hatte der Schütze während seines Angriffs eine Maske und einen Helm mit Störschallunterdrückung getragen.

Anschließend floh der Junge vom Tatort und bedrohte auf der Flucht mit seinem Revolver auch Schüler auf dem Weg in eine andere Schule. Etwa eine Stunde nach dem Angriff wurde er festgenommen. Nach Angaben der Polizei gestand der Junge in einer ersten Befragung die Tat.

Die Beamten leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und versuchten Mordes ein. Da der Beschuldigte jünger als 15 Jahre ist, kann er aber nicht strafrechtlich belangt werden und kommt nicht in Haft. Er soll von den sozialen Diensten in Obhut genommen werden, wie die Polizei ankündigte.

Die Gewalttat hatte in Finnland Entsetzen und Trauer ausgelöst. Am Mittwoch wurden im Rahmen eines nationalen Trauertags die Flaggen in dem kleinen skandinavischen Land auf Halbmast gesetzt. Im Schnee vor der Viertola-Schule legten viele Menschen Blumen und Kuscheltiere nieder und zündeten Kerzen an, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Am Mittwoch fand in der Viertola-Schule den halben Tag Unterricht statt, wie Vantaas Vize-Bürgermeisterin Katri Kalske AFP sagte. Die Stadtverwaltung richtete demnach eine psychologische Beratungsstelle ein. Der Angriff werde außerdem mit den Schülern aller Schulen der Stadt in einer "altersgerechten" Art und Weise besprochen, sagte Kalske. Auch die Kirche bot Betroffenen seelsorgerische Unterstützung an.

Der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo kündigte ebenfalls Unterstützung an. "In den kommenden Tagen müssen wir für die Kinder und Jugendlichen da sein, ihnen Worte des Trostes sagen und ihnen zeigen, dass wir uns um sie sorgen", erklärte er. Es sei normal, wenn Kinder nun Angst hätten und "Fragen stellen" wollten. "Es ist wichtig, dass wir zu Hause über diesen Vorfall sprechen", mahnte Orpo.

yb/jes